Bisher nur eine halbe Welle

Einmaltaschentücher sind okay, sagen die Ärzte, aber man soll sie tatsächlich nur einmal verwenden und danach in der Toilette entsorgen. Bild: Hartl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
05.02.2015
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Ein seltener Zustand: Derzeit sieht man exakt den Fuß der Grippewelle - er steht genau zwischen Sulzbach-Rosenberg und Amberg.

Das wird an den Krankenhäusern deutlich: Im Amberger Klinikum St. Marien gibt es laut Ärztlichem Direktor Dr. Harald Hollnberger keine Häufung von stationären Behandlungen wegen Grippe (oder ganz korrekt: Influenza). Im Sulzbach-Rosenberger St.-Anna-Krankenhaus dagegen müssen nach Auskunft von Oberarzt Thomas Rauner 13 Patienten mit nachgewiesener echter Grippe in Einzelzimmern untergebracht werden, so dass allmählich der Platz für die anderen knapp wird. 13 Influenza-Kranke auf einmal, das klingt nicht nach der großen Pandemie, ist aber laut Rauner ganz außergewöhnlich: "Diese Zahl habe ich so noch nicht erlebt." In einem normalen Winter habe man vielleicht zwei oder drei solcher Fälle.

Einzelzimmer Vorschrift

Sobald der Influenza-Nachweis vorliegt, darf das Krankenhaus keine anderen Patienten im Zimmer des Betroffenen unterbringen. "Jeder Husterer und Nieserer setzt ja dann die Tröpfchen frei, über die die Ansteckung läuft", sagt Rauner. Zudem dominiert heuer der Virus-Subtyp H3N2, der für besonders schwere Krankheitsverläufe steht. Folge für Rauner: "Ich kann die Leute nicht einfach nach Hause schicken."

Zu allem Überfluss unterscheidet sich das verbreitete Virus vermutlich nach einer Mutation genetisch von dem im Impfstoff abgedeckten H3N2-Virus, "weshalb mit erhöhten H3N2-Erkrankungen auch bei Geimpften zu rechnen ist", wie es Rauner in einem Schreiben an die Mitarbeiter von St. Anna formuliert hat. Auch wenn die Influenza-Welle in der Klinik schon vor zwei Wochen begonnen hat, rät Rauner noch zur Impfung beim Hausarzt. Der volle Schutz sei zwar erst nach etwa zwei Wochen ausgebildet, doch dauere die Grippewelle erfahrungsgemäß noch acht bis zehn Wochen. "Der Impfstoff schützt zumindest vor anderen Grippeviren, und beim Typ H3N2 ist der Verlauf nicht so heftig wie bei Ungeimpften", argumentiert Rauner.

Dr. Roland Brey, der Leiter des Amberger Gesundheitsamtes, macht sich allmählich ebenfalls Sorgen wegen der rasant um sich greifenden Influenza, die etwa in Nürnberger oder Fürther Kliniken schon die Patientenzahlen in die Höhe treibt. Auch die dem Gesundheitsamt gemeldeten Fälle - ohnehin nur die Spitze des Eisberges, da lediglich Labornachweise meldepflichtig sind, nicht die Krankheit an sich - steigen laut Brey von Tag zu Tag, genau wie die Krankmeldungen. Der Medizinaldirektor hat deshalb eine Mitteilung an die Schulen verfasst. Sie erläutert das Krankheitsbild ("Die Influenza beginnt in der Regel sehr plötzlich und geht mit starkem Krankheitsgefühl, Husten und Fieber einher"), nennt Behandlungsmöglichkeiten und gibt Tipps, wie jeder vorbeugen kann (siehe den Infokasten).

Realschule Virenherd

Bei den Grund- und Mittelschulen im Landkreis und in Amberg sind laut Schulamtsdirektor Heinrich Koch inzwischen alle mobilen Reserven verteilt. Sie decken den Stundenausfall ab, wenn Lehrer krank werden. Bei den Schülern sei dagegen noch kein signifikanter Anstieg der Krankmeldungen festzustellen. Den gibt es dafür an der Walter-Höllerer-Realschule in Sulzbach-Rosenberg. 100 bis 130 der 700 Schüler fehlten dort diese Woche jeden Tag krankheitsbedingt. (Glosse)
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