Bloß keine Kaffeesatz-Leserei

Das ist nicht anders als bei deutschen Jugendlichen.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.11.2015
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Zum ersten Mal plant das Kreisjugendamt mit drei Etatansätzen für das nächste Haushaltsjahr und veranschlagt dafür über 15 Millionen Euro. Das mutet alarmierend an, bedeutet aber genau das Gegenteil.

(zm) Die detaillierten Zahlen legte am Montag Amtsleiter Thomas Schieder dem Jugendhilfeausschuss vor und machte dabei einen eher erleichterten, als besorgten Eindruck. Dafür gibt es zwei Gründe: Die allgemeine Lage im Bereich der Jugendhilfe sowie -pflege hat sich stabilisiert, und die überraschend hereingebrochene Aufnahme zahlreicher unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge wurde in geordnete Bahnen gelenkt. Auch hinsichtlich der Finanzierung.

Das Kreisjugendamt geht davon aus, 2016 für diesen Betreuungsbereich insgesamt 7,34 Millionen Euro aufbringen zu müssen. Mit fünf Millionen Euro sind die Kosten für die allgemeine Jugendpflege dieses Personenkreises vorgesehen, 2,34 Millionen veranschlagt das Amt für die vom Landkreis in Eigenregie betriebene sogenannte Inobhutnahme-Einrichtung Esperanto mit bis zu 60 Plätzen im ehemaligen Schwesternschülerinnen-Wohnheim in Auerbach. Derzeit sind im Landkreis 99 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Sie verteilen sich auf elf Wohnungen sowie Einrichtungen unterschiedlicher Träger.

Aufwand wird ersetzt

Wichtig aus Sicht des Landkreises ist, dass laut Schieder die dafür veranschlagten Gesamtkosten von 7,34 Millionen Euro in vollem Umfang aus staatlichen Mitteln des Bundes sowie Landes erstattet werden. Der Jugendamtsleiter rechnet unter dem Vorbehalt, die weitere Entwicklung letztendlich nicht mit Sicherheit einschätzen zu können, mit im Durchschnitt maximal 120 zu betreuenden Flüchtlings-Jugendlichen, die alleine gekommen sind. Die Tendenz liege wohl leicht darunter, 120 Plätze seien nach dem bayernweit geltenden Verteilungsschlüssel eher die Obergrenze. "Alles, was darüber hinaus geht, ist Kaffeesatz-Leserei", verwahrte sich Schieder gegen nicht haltbare Spekulationen.

Den Einzelfall prüfen

Auch auf Nachfragen aus dem Ausschuss, in Richtung auffälliger Besonderheiten hinsichtlich des nötigen Betreuungsangebots oder der -erfordernisse hatte der Jugendamtsleiter eine griffige Antwort: "Das ist nicht anders als bei deutschen Jugendlichen." Abgesehen von den Sprach- und Schulbildungs-Probleme sei die individuelle Fallprüfung ausschlaggebend dafür, welche Betreuungsmaßnahmen im Einzelnen als erforderlich erachtet würden. Schieders Situationsbericht zu den unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen war deutlich davon geprägt, dieses heuer mit nicht vorhergesehener Wucht hereinbrechende Problem an höherer Stelle inzwischen in geordnete Bahnen gelenkt zu haben.

Lage stabilisiert

Anfangs war der Landkreis hauptsächlich im Zuge der Amtshilfe für die völlig überlasteten Jugendämter in Süd- und Südostbayern eingesprungen, nun hat sich die Lage laut Schieder stabilisiert. Vereinzelte Fälle seien sogar per Familienzusammenführung wieder abgegeben worden. Neben den aktuell 99 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Altersspektrum zwischen 11 und unter 18 Jahren leben derzeit in ihren Familien laut der Sozialabteilung des Landratsamtes weitere 237 Flüchtlingskinder und -jugendliche.

Auf sie hatte der ÖDP-Kreisrat Michael Birner mit einer Nachfrage den Blick gelenkt. Er monierte besonders im Berufsschulbereich eine Privilegierung der unbegleiteten Asylsuchenden, die hier recht schnell unterkämen, während die andere Gruppe bisher nahezu ausgegrenzt bleibe. Schieder bestätigte dieses Manko und verwies auf noch unzureichende Kapazitäten. Das falle jedoch hauptsächlich in die Zuständigkeit des Kultusministeriums.
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