Blühende Stadt Ort der Ruinen

Man lernt sich kennen, beginnt sich zu verstehen und daraus hat sich in kurzer Zeit eine gegenseitige Wertschätzung der jungen Menschen aus beiden Klassen entwickelt. Die wöchentliche Integrationsstunde gehört zu den Höhepunkten der Schulwoche: 25 junge Menschen freuen sich über ein hervorragend gelingendes Kooperationsmodell. Bild: bba
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
21.07.2015
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Die unbegleiteten Migranten sind 15 bis 18 Jahre alt. Sie stammen ursprünglich aus Krisengebieten wie Afghanistan, Eritrea, Nigeria, Uganda oder dem Senegal und haben es über das Mittelmeer nach Europa und schließlich in die Region Amberg-Sulzbach geschafft. Jetzt gehen sie hier zur Schule.

(lz/bba) Integration gelingt durch Aktion - durch ein offenes und freundschaftliches Miteinander. Ein gutes Beispiel dafür liefert die wöchentliche Kooperationsstunde der Klassen BAF und WBK 11 B an der Berufsschule: Die Pädagogin Karin Eger aus Wolfsfeld zeichnet für die Gruppe junger Flüchtlinge verantwortlich, die nach der ersten Schulung durch Kolping seit Ostern am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) unterrichtet werden.

Im zweiten Jahr

Seit dieser Zeit gibt es diese Kooperationsstunde mit den Kaufleuten für Büromanagement im zweiten Ausbildungsjahr im Religionsunterricht, in dem der zuständige Lehrer Wolfgang Lorenz junge Leute aus drei verschiedenen Weltreligionen unterrichtet.

Die Betroffenen haben harte Zeiten erleben müssen, in Libyen kamen fast alle ins Gefängnis, dort wurden sie gefoltert, was die Narben von Einstichen an den Armen dokumentieren. Nach der gelungenen Flucht aus den Kriegsregionen und unvorstellbar schlimmen Verhältnissen wurden die jungen Männer über Sizilien und Neapel nach Rosenheim gebracht. Schließlich hat sie der Landkreis Amberg-Sulzbach aufgenommen. Seit Ende August 2014 wurden die Betroffenen mit täglich fünf Stunden Deutsch bei Kolping beschult.

Nach Ostern zog die Flüchtlingsklasse ins Berufsschulzentrum ein: "Alle Schüler", freute sich Karin Eger, "wurden dort sehr freundlich aufgenommen." Da Kontinuität ein wichtiger Baustein für Integration ist, wurde umgehend mit einer Klasse junger Bürokaufleute eine regelmäßige Kooperation vereinbart. Die zwei Lehrkräfte überlegten sich mit den Schülern die Inhalte dieser Stunden, die mit dem gegenseitigen Austausch und Kennenlernen, gemeinsamen Essen oder Spielen aus dem Bereich der Erlebnispädagogik starteten.

Sehr nachhaltig

Die Vorstellung der eigenen Religionen nahm ebenfalls breiten Raum ein. Dazu erzählten sich die jungen Leute Erfahrungen und Erlebnisse aus der Heimat. Diese wirkten bei allen Beteiligten sehr nachhaltig, wenn sich beispielsweise durch die Geschehnisse aus einer blühenden Stadt in Syrien in wenigen Jahren ein Ort der Ruinen und Zerstörung entwickelt habe.

Besuch einer Moschee

Als ein letzter Signalpunkt in diesem Schuljahr wird am letzten Schultag noch eine gemeinsame Klassenfahrt zusammen mit dem Klassenleiter Christian Eigner nach Nürnberg unternommen, für die Karin Eger auch den Besuch einer Moschee vereinbaren konnte.

Dieses vorurteilsfreie Miteinander trägt ihrer Meinung nach auch in anderer Hinsicht Früchte, denn es haben am BSZ weitere Klassen nachgefragt, ob sie künftig an einer solchen regelmäßigen Kooperationsstunde teilnehmen dürften.
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