Bob Dylans Spur in New York

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
28.11.2015
10
0

Mit Maik Brüggemeyers Catfish-Lesung hat sich Veranstalter und Buchhändler Ralf Volkert nicht nur einen langgehegten Wunsch erfüllt. Er hat dem Publikum im Capitol quasi als Zugabe auch ein Konzert der Band The Blissful Bob beschert, das eingefleischte Bob-Dylan-Fans mindestens so begeisterte wie Novizen.

An der lebenden Musik-Legende Bob Dylan führte an diesem Abend kein Weg vorbei. Dabei gehört die Hauptperson des ersten Teils, Maik Brüggemeyer, genau wie Veranstalter Volkert, schon aus Gründen der späten Geburt nicht zu den Fans der ersten Stunde. Stattdessen zündete der Funke der Begeisterung an einem Lagerfeuer im Tecklenburger Land, bei dem der Jugendleiter den Dylan-Song Catfish eigenwillig, aber fesselnd auslegte. Schon ist erklärt, weshalb der Roman heißt, wie er heißt.

Diesen habe er nicht zu Papier gebracht, um Volkerts Herzenswunsch zu erfüllen, so der auch als Erzähler begabte Rolling-Stone-Redakteur Brüggemeyer. Weil sich in keinem der zahlreichen Werke über Bob Dylan das fand, was Brüggemeyers Vorstellungen entsprach, begibt sich sein Ich-erzählendes Alter Ego selbst nach Amerika auf Dylans Spuren. Kostproben aus dem Prolog und der ersten Station in New York gefielen den Zuhörern aufgrund der humorvollen Art ebenso wie die immer wieder eingestreuten Anekdoten. Eine Lesung zur Sportschau-Zeit hätte ihm in Worms ein ausschließlich weibliches Publikum beschert, so Brüggemeyer. In Hamm habe ihm die Wirtin der Veranstaltungskneipe lapidar erklärt, dass allenfalls Axel Rose noch singen konnte wie Bob Dylan. Rose habe jedoch nicht gemäß des Dylan-Hits Knockin' on Heavens Door an der Himmelspforte geklopft, der habe sie eingetreten.

Der Song Buckets of Rain, den The Blissful Bob in einem ihrer Lesungs-Intermezzi zum Besten gaben, lieferte die Steilvorlage zur Geschichte vom Feuilleton-Schlagabtausch "Literaturnobelpreis für Dylan oder nicht". Er verstehe zwar die Zeilen "Little red wagon, little red bike, I ain't no monkey, but I know what I like" nicht, zitiere sie aber immer als Indiz für die Preiswürdigkeit. Zurück im Roman stoppte der Autor seine Lesung genau an der Stelle, an der der Ich-Erzähler im New Yorker Bitter End einen heimatlichen Jägermeister bestellt, bevor die Geschichte der Suche kippt und mehr und mehr fantastische Züge bekommt. Überhaupt fließen in Catfish reale und surreale Fäden aus dem über die Jahrzehnte angewachsenen Bob-Dylan-Knäuel geschickt ineinander, dass sich echte Enthusiasten ebenso unterhalten fühlen wie Leser, denen der tiefere Bezug abgeht. Und: Der Titel Catfish bleibt nicht der Einstieg, sondern zieht sich bis zum Ende.

Als genug der Worte über den prägendsten Musiker der Moderne gewechselt waren, vervollkommnete die Band The Blissful Bob das Gesamtkunstwerk Dylan. Nachdem sie schon bei ihren Zwischenspielen den Autor mit seinem ersten Catfish-Live-Genuss erfreut hatten, legten die Mannen mit dem Sulzbacher Ingo Fliess und dem Weidener Dominik Petzold jetzt richtig los.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.