"Bücher brauchen Orte"

Buchdeckel an Buchdeckel sind die Exemplare im Literaturarchiv aufgereiht. Es bewahrt so einige Schätze und ist überregional bekannt.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
10.10.2014
1
0

Noch bis Sonntag läuft die Frankfurter Buchmesse. Experten gibt es aber auch in Sulzbach-Rosenberg. Die SRZ hat mit einem Buchhändler, der Stadtbibliotheks- und der Literaturarchiv-Leiterin gesprochen.

Es herrscht Konsens: So schnell bekommt man das Buch nicht tot. Das lässt sich aus den Aussagen der SRZ-Gesprächspartner heraushören. Stadtbibliotheks-Leiterin Luise Eckert etwa versichert: "Die Ausleihzahlen sind nicht zurückgegangen." Sie betont aber auch, dass eine Bibliothek viel mehr sei. Eine solche lebe, sei nicht statisch und entwickle sich immer weiter.

"Kleine Kunstwerke"

"Die Freude am Lesen lässt sich nur persönlich vermitteln", ist Eckert überzeugt. Deswegen bietet sie Führungen an, stellt Medienboxen zusammen und organisiert Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene. Die Vorteile in einer Bibliothek sieht sie in der schnellen Verfügbarkeit und im Bestand. Zu Letzterem zählen seit über zwei Jahren auch digitale Medien. Diese würden sehr positiv angenommen. Patricia Preuß, die kaufmännische Leiterin des Literaturarchivs, ist der Meinung: "Auch Bücher brauchen ihre Orte." So wie es im Literaturarchiv ist. Für sie gehörten auch Begegnungen mit Autoren dazu. "Eine wichtige Idee Walter Höllerers ist es gewesen, nicht nur ein Archiv in Form von Papier zu öffnen."

Dass es sowohl digitale, als auch gedruckte Bücher gibt, findet Preuß durchaus okay. Sollte jedoch eines verschwinden, geht laut ihr Vielfalt verloren. Was die Literaturarchiv-Leiterin feststellt, sei eine verstärkte Nachfrage nach schön gemachten Büchern, oft "kleinen Kunstwerken". Preuß spricht von einer gewissen Wertschätzung.

Für das Literaturarchiv sei die Digitalisierung der Bestände schon ein Thema. Wenngleich es diese nicht im größeren Stil betreibt. Ganz im Gegenteil. Dazu sei nämlich auch ein ziemlicher Personalaufwand notwendig.

Wenn Anfragen kommen, handeln die Mitarbeiter des Literaturhauses allerdings, versichert Preuß. Was geistiges Eigentum betreffe, so sei es schwer, dieses zu fassen oder in bare Münze umzurechnen. Das zeige aktuell wieder die "Problemlage", dass Amazon für E-Books Rabatte fordert.

Nicht jammern

Der Internet-Riese ist auch für Buchhändler Ralf Volkert ein Thema: "Amazon hat viel verändert." Der Händler habe festgestellt, dass die Beratung und die persönliche Atmosphäre bei Kunden nicht mehr einen so hohen Stellenwert haben. Dennoch will er nicht jammern. Am Donnerstag feierte Volkert 15-jähriges Bestehen - und es gebe nach wie vor viele Leser.

Trotzdem sagt er: "Lesen an sich ist nicht mehr so en vogue." Er spricht von einem Wandel. "Die Konkurrenz zum Buch ist heute größer." Als Kind habe er noch Bücher, Brettspiele und einen Fußball für die Freizeitbeschäftigung gehabt. Heute hingegen kämen Playstations und Co. dazu. Dennoch glaubt er, dass gedruckte Werke nicht totzukriegen seien. Sicher solange nicht, "bis die jetzigen Kindergarten-Kinder groß sind". "Es sind immer weniger in der Lage sich längere Zeit und eingehend mit etwas zu beschäftigen." Das solle aber ausdrücklich alles keine Jugend-Schelte sein, sondern vielmehr eine Beobachtung, dass sich das Leseverhalten geändert habe. Volkert verrät: "Einfache Kost ist öfter gefragt, als Bücher, die Arbeit machen."

Ohne Strom

"Bücher sind praktischer", sagt Volkert. Ob das nun beim Durchblättern sei oder die Tatsache, dass es keinen Strom braucht. Der Händler verkauft zwar E-Books über seine Homepage, spricht aber von einem "sehr geringen Anteil". Trotzdem sind die digitalen Exemplare immer mehr ein Thema. Volkert hat eine Erklärung: "Man muss eine Sau nur lange genug durchs Dorf treiben, damit sich die Leute dafür interessieren."

Er wisse schon jetzt, dass nach Weihnachten viele Mütter mit von den Kindern geschenkten E-Book-Readern bei ihm im Laden stünden. (Angemerkt/Hintergrund)
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.