Bukowski-Lesung im Literaturhaus Oberpfalz - Ausstellung noch bis 31. Januar zu sehen
Ein kompromissloser, zäher Weg

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.11.2014
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Um den Schriftststeller Charles Bukowski vom eingefleischten "Sex- und Sauf"-Image zu befreien, könnte man laut dagegen anplärren. "Roni", Vorsitzender der Charles-Bukowski-Gesellschaft, wählte dagegen ein genau in dieses Bild passendes Gedicht zur Eröffnung seines Vortrages über den großen amerikanischen Dichter im Literaturhaus Oberpfalz - und zerlegte anschließend auf leise Art das Klischee rund um "Hank".

Der Gesellschaftsvorsitzende mit dem kurzen Künstlernamen machte einen zweiten Abstecher in die Herzogstadt, um bei dem "Charles-Bukowski-Tag" die gut besuchte Ausstellung mit zwei besonderen Premieren zu bereichern: Die nun erschienene, fundierte Begleitpublikation und die "Weltpremiere" des digitalisierten, überarbeiteten Mitschnitts der einzigen Bukowski-Lesung in Deutschland, die im Mai 1978 in Hamburg lief.

Gastgeber und Literaturarchiv-Leiter Michael Peter Hehl freute sich am Thementag, wieder einige neue Gesichter zu entdecken. Die Aufgabe, das Publikum auf die interessante Spur des großen, aber oft verkannten Dichters zu bringen, überließ er anschließend dem ausgewiesenen Experten Roni. Dieser beleuchtete Bukowskis schon früh einsetzende Auseinandersetzung mit Literaten der Gewichtsklasse Lawrence, Hemingway, Dostojewski oder Camus. Davon nachhaltig inspiriert, habe Bukowski begonnen, mit der Schreibmaschine als seinem "Maschinengewehr" unbequeme Wahrheiten gegen die Gesellschaft zu schleudern.

Kompromisslos gegenüber dem Publikumsgeschmack und dem eigenen Leben, gestaltete sich der Weg in die literarische Welt durchaus zäh. Aller Produktivität zum Trotz, insbesondere im Bereich Lyrik, konnte der Dichter erst im Alter von 50 Jahren von seiner bis dahin eher brotlosen Kunst leben. Aber auch der einsetzende Erfolg warf Schatten, titulierte Bukowski doch sein Resümee der Deutschland-Reise mit Hamburg-Lesung "Shakespeare never did this", auf deutsch erschienen unter "Die Ochsentour".

Diese Erkenntnis bildete die perfekte Überleitung zur DVD-"Weltpremiere" der einzigen Lesung außerhalb Amerikas. Im Anschluss konnte man mit Roni durch die Ausstellung "All about Hank" streifen. Die bedachtsam kuratierten Einblicke in ein besonderes Dichterleben sind bis 31. Januar im Literaturhaus zu sehen.
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