CSU-Kreistagsfraktion informiert sich im Ernst-Naegelsbach-Haus über Unterbringung ...
Deutsch als die gemeinsame Sprache

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
21.07.2015
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Die Kreistagsfraktion der CSU besuchte dieser Tage das Ernst-Naegelsbach-Haus (ENH) in Sulzbach-Rosenberg und informierte sich über die Situation und die Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Regierungsamtsrat Thomas Schieder vom Kreisjugendamt und Stefan Reither, Heimleiter der Einrichtung, standen Rede und Antwort.

Drei stationäre Gruppen

Reither gab zunächst einen Überblick über die Geschichte des Hauses und stellte die aktuelle Situation dar. So gibt es aktuell drei stationäre Wohngruppen von Jugendlichen ab sechs Jahren sowie eine weitere ab 16 Jahren. Ferner ist zur Zeit eine therapeutische Wohngruppe für etwa zwölf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingerichtet. Zusätzlich zu den stationären Gruppen werden noch etwa 40 Familien ambulant betreut. Tagsüber kommen dann noch zwei Stütz- und Förderklassen mit jeweils neun Schülern ans ENH.

Für angstfreies Leben

Die erfolgreiche Integration der jugendlichen Flüchtlinge führt Reither auf die Vielfalt der Nationen zurück, die hier zusammenleben. Durch die unterschiedliche Herkunft sei die gemeinsame Sprache automatisch Deutsch. Kevin etwa, aus Ghana geflohen, berichtete von den Strapazen seiner Flucht und schilderte, wie er Hunderte von Kilometern zu Fuß zurücklegte, um am Ende sein Ziel, ein angstfreies Leben in Europa, zu erreichen. Die Vorbildung der ankommenden Flüchtlinge reicht von null bis hin zu Gymnasium und Abitur. Kontakt in die Heimat halten sie per Telefon und Facebook.

Regierungsamtsrat Thomas Schieder lobte die hohe Motivation der Jugendlichen, einen hohen Bildungsstand zu erreichen, und sich damit gute Perspektiven zu erarbeiten. Er bemängelte, dass die Asylverfahren enorm lange dauern. Aktuell, so Schieder, müsse man mit zwei bis drei Jahren rechnen, bis ein Antrag bearbeitet sei. In Zukunft, so stehe zu befürchten, hieß es in einer Pressemitteilung zu dem Besuch, dauerten die Verfahren noch länger.

Personelle Grenzen

Auf Nachfrage von Stefan Braun berichtete Schieder, dass er befürchte, den Standard, den das Ernst-Naegelsbach-Haus jetzt biete, bei hohen Zuwanderungszahlen nicht halten zu können. Man stoße an personelle Grenzen. Deutlich werde, dass es nicht in erster Linie an der Finanzierung scheitere, sondern an der Personalausstattung. Aktuell seien ausgebildete Fachleute kaum zu finden.

Stephan Hofstetter, Betreuer der Gruppe der unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge im ENH, sprach sich dafür aus, Betreuer auch aus anderen Berufsgruppen zu suchen. Man müsse für diese Aufgabe auch Gruppenangebote aus der Wirtschaft zulassen.

Mangel entgegenwirken

Die IHK habe großes Interesse an diesen jungen Menschen, und man könne so eventuell auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Viele Handwerksbetriebe in Sulzbach-Rosenberg und Umgebung würden diesen Jugendlichen gerne eine Ausbildung oder ein Praktikum machen lassen. Dies sei aber im Moment rechtlich nicht möglich.

Kreisrat und Bürgermeister Erwin Geitner (Rieden) plädierte dafür, in diesem Bereich die Bürokratie abzubauen und so Chancen zu ermöglichen: "Es ist an der Zeit, Ideen zu verwirklichen und Lösungen pragmatisch anzugehen."
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