Da raucht's gewaltig

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
03.02.2015
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Amberger sterben spürbar früher an einer Krebserkrankung als im Landesdurchschnitt. Die Auswertung medizinischer Daten verblüfft mit einer hinlänglich bekannten Tatsache.

Wie sieht es konkret in unserer Region aus? Diese Frage stellt sich nahezu automatisch vor dem Hintergrund des morgigen Welt-Krebstages. Auffällig ist laut einer Pressemitteilung des Gesundheitsamtes, dass in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach die Lebenserwartung niedriger ist als in Bayern. Die Abweichung fällt in der Stadt (Frauen 2,5 Jahre weniger, Männer 2,9) deutlicher aus als in der Umgebung (Frauen 1,1, Männer 1,4).

Daten aus zehn Jahren

Diese Feststellung basiert auf einem Drei-Jahres-Mittelwert, erhoben zwischen 2009 und 2011. Ein wesentlicher Grund für die geringere Lebenserwartung in Amberg lässt sich laut Gesundheitsamt aus einer Auswertung des Bayerischen Krebsregisters für die Jahre 2002 bis 2011 ableiten. Demnach lag die Krebssterblichkeit der Amberger Männer 20 Prozent über dem Erwartungswert, die der Frauen bei acht Prozent. Im Landkreis war dagegen keine erhöhte Krebssterblichkeit beobachtet worden. Diese Zahlen lagen im bayerischen schnitt. Das gilt gleichermaßen für die Neuerkrankungen, allerdings wiederum nur auf Landkreisebene. In der Stadt hingegen - und hier unterscheiden sich die Zahlen für Männer und Frauen nicht - übersteigt die Rate der neuen Krebserkrankungen um sechs Prozent den Landesdurchschnitt.

Obwohl die absolute Zahl der Sterbefälle wegen Krebs im zeitlichen Trend etwas zunimmt - bedingt durch die Alterung der Gesellschaft - sinkt für die einzelnen Altersgruppen dieses Risiko. Dafür machen die Analytiker vor allem die Verbesserung der medizinischen Versorgung, der allgemeinen Lebensbedingungen, und des Gesundheitsverhaltens in der Bevölkerung verantwortlich.

Geschlechtsspezifisch

Hinsichtlich der am häufigsten betroffenen Organe oder Organsysteme liegt bei Frauen in der Stadt und dem Landkreis Brustkrebs an erster Stelle, gefolgt von Darm- und Lungenkrebs. Bei Männern ist mit Abstand das Prostatakarzinom am häufigsten. Auch bei den Männern liegt Darmkrebs im Landkreis an zweiter Stelle, nicht aber in der Stadt Amberg, wo in den letzten Jahren mehr Lungen- als Darmkrebsneuerkrankungen aufgetreten sind.

Späte Diagnose

2011 lag beispielsweise die Lungenkrebsrate 36 Prozent über dem bayerischen Durchschnitt. Der herausragende Risikofaktor für diese Erkrankung ist das Rauchen, das somit entscheidend zur erhöhten Sterblichkeit von Männern in Amberg beiträgt. Eine überdurchschnittliche Raucherquote in der Stadt war vor einigen Jahren im Zuge einer bundesweiten Untersuchung festgestellt worden. Die hohe Lungenkrebs-Sterblichkeit resultiert in erster Linie aus der oft späten einschlägigen Diagnose und einem deshalb fortgeschrittenen Tumorstadium, in dem eine Heilung nicht mehr möglich ist.

Internationale Daten zeigen, dass nicht nur Lungenkrebs, sondern 20 bis 40 Prozent aller Krebserkrankungen dem toxikologischen Gehalt von Tabak zuzuordnen sind. Nicht zu rauchen oder mit dem Rauchen aufzuhören, gehört daher zu den wichtigsten Maßnahmen gegen Krebs. Eine konsequente Nichtraucherpolitik ist ein vorrangiges Gebot der weltweiten Gesundheitsförderung, stellt das Gesundheitsamt fest und unterstützt deshalb seit langem in vielfältiger Weise alle Bemühungen, bereits den Einstieg von Kindern und Jugendlichen zu verhindern. Das gilt gleichermaßen für die Motivation aufzuhören (Infos: 0 96 21/3 96 69).
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