Damit es nie wieder passiert

Heute ist William Nattel (rechts) ein durchaus fröhlicher Mensch. Dabei überlebten er und seine Frau nur ganz knapp den Holocaust. Bild: bmr
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.05.2015
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Um nicht das Vergangene wiederholen zu müssen, ist es nötig, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Das sagt einer, der es wissen muss: William Nattel, Überlebender des Holocaust.

Nicht Deutschland hasse er, sondern Hitler, den er als persönlichen Feind besiegt habe, betonte William Nattel im Gespräch mit Schülern der 10. Klasse des Herzog-Christian-August-Gymnasiums. Organisiert hatte die Veranstaltung Lehrer Ludwig Nerb, der betonte, dass ohne die Mitwirkung der Gedenkstätte Flossenbürg die Begegnung mit dem Ehepaar Nattel, beide Überlebende des Holocaust, nicht möglich gewesen wäre.

Nur kurze Zeit nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen beginnen die Ausschreitungen der Besatzer gegenüber der jüdischen Bevölkerung, schildert William Nattel sein Schicksal. Da die Flucht von Vater und Sohn in den von der Sowjetunion besetzten Teil Polens misslingt, ziehen die beiden in ein Dorf etwa 100 Kilometer von Krakau. Dort leben zunächst auch die beiden Schwestern, die aber später in das Ghetto von Tarnów zwangsumgesiedelt werden.

Ab Juli 1942 werden er und sein Vater ebenfalls gezwungen, im Ghetto Zakliczyn zu leben. Da er zur Arbeit an einer Talsperre im nahe gelegenen Czchów verpflichtet wird, wohnt er in einem Arbeitslager. Auf diese Weise entgeht er der Auflösung des Ghettos im Herbst 1942. Sämtliche Ghettobewohner, darunter sein Vater, werden in das Vernichtungslager Belzec deportiert und sofort ermordet.

Ins KZ Flossenbürg

Nach Beendigung der Arbeiten an der Talsperre muss Nattel für die Heinkel-Werke in Mielec als Dreher arbeiten. Da der Ort im Mai 1944 ein Außenlager des KZ Plaszow wird, wird William Nattel als KZ-Häftling registriert. Als die Rote Armee immer näher an das Konzentrationslager heranrückt, werden die Häftlinge ins KZ Flossenbürg überstellt, wo sie am 4. August 1944 eintreffen. Nach der Selektion der Häftlinge arbeitet William Nattel zunächst im Außenlager Hersbruck arbeiten, wo er aufgrund der katastrophalen Bedingungen stark abmagert.

Die Rückverlegung in das Hauptlager, wo er als Schlosser Werkzeuge repariert, die im Steinbruch benötigt werden, rettet ihm das Leben. Kurz vor Kriegsende, als die Amerikaner dem KZ Flossenbürg näher kommen, werden die Häftlinge von der SS auf die Todesmärsche über Schwarzenfeld nach Stamsried getrieben.

Nach der Befreiung durch die amerikanische Armee bleibt William Nattel zunächst in der Oberpfalz, wo er in Weiden seine Frau, ebenfalls eine Holocaust-Überlebende, kennenlernt und heiratet. 1948 wandert das Ehepaar zunächst nach Israel und wenige Jahre später nach Kanada aus. Auf Nachfragen von Schülern, ob er Deutschland hasse, verneinte der ehemalige KZ-Häftling dies.

Hitler hingegen, den er als persönlichen Feind besiegen wollte, hassen er und seine Frau. Damit die Menschen daraus lernen und so was nie wieder vorkomme, erzähle er seine Geschichte, betonte William Nattel.
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