"Das ist nicht mehr zu ertragen"

Ständig im Wandel: Am St.-Anna-Krankenhaus laufen noch jahrelang Baumaßnahmen, die der Qualitätsverbesserung dienen und viel Geld kosten.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.06.2015
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Empörung war die erste Reaktion von Klinik-Vorstand Klaus Emmerich auf die gestrige Nachricht in unserer Zeitung "Berlin will Kliniken auf Qualität trimmen" zur Krankenhausreform. Der Chef der beiden Häuser im Landkreis will auch im Landtag intervenieren.

Lese man die Berichte über die Reformpläne, entstehe schon fast der Eindruck, Krankenhäuser lieferten keine Qualität, nur unnötige Operationen oder falsche Abrechnungen, meint Emmerich im Gespräch mit unserer Zeitung. Schlimm sei insbesondere, dass die Bundesregierung neben pauschalen Angriffe gegen Krankenhäuser auch jährlich die Rahmenbedingungen verschärfe.

Klaus Emmerich spricht auch für Landrat Richard Reisinger, Verwaltungsratsvorsitzender des St.-Anna-Krankenhauses und der St.-Johannes-Klinik. Was stört ihn besonders? "Die Bundesregierung unterstellt Krankenhäusern schlechte Qualität dergestalt, dass Krankenhäuser mit Abschlägen oder gar Schließung rechnen müssen. Tatsache ist, dass unsere Kliniken bundesweit Enormes für Patientensicherheit leisten."

Kleine haben Nachsehen

Die Quelle der Vorwürfe vermutet Emmerich teils bei den Krankenkassen, jedoch auch bei Landes- und Bundespolitikern. Ziel sei jedoch im Regelfall die Konzentration von stationären Leistungsangeboten auf wenige Zentren in Häusern der Maximal- und Schwerpunktversorgung. "Das Nachsehen haben insbesondere Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung mit einem begrenzten Einzugsgebiet. Denen werden weitere Patienten entzogen, weil die vermeintliche Qualität nicht ausreichend ist", fürchtet der Manager. Wehrt er sich etwa gegen Verbesserungen? "Keineswegs", versichert Klaus Emmerich, St. Anna und St. Johannes verfügten über ausgezeichnete Qualität. Das bescheinigten die Patienten mit einer Krankenkassen-Umfrage mit über 90 Prozent. Emmerich verweist auf die eigenen Initiativen: Endoprothetik-Zentrum, hauptamtlichen Qualitätsfachkraft, weit entwickeltes Hygienemanagement, freiwillige Qualitätsinitiative, Aktionsbündnis Patientensicherheit. "Was sollen wir eigentlich noch alles tun?"

Verweildauer halbiert

Aber auch die neu zu erhebenden Daten ärgern den Verwaltungschef. "So kann es nicht weiter gehen, der Wasserkopf wächst!" Es werde immer mehr dokumentiert. Das koste Geld und nehme Zeit für die Patienten. Entscheidend sei jedoch, was der Patient tagtäglich auf der Station verspüre: Menschlichkeit, Service und das Bewusstsein, dass er keine Nummer sei.

Im letzten Jahrzehnt seien die Kliniken zu reinen Kostenfaktoren degradiert: "So sind innerhalb von 22 Jahren die Investitionszuschüsse an bundesdeutsche Krankenhäuser nicht gestiegen, sondern um 26,8 Prozent zurückgegangen."

Den Krankenhäusern sei ein rigides Entlassmanagement aufdiktiert worden - jeder vermeintlich "überflüssige Krankenhaustag" eines Patienten könne von den Kassen sofort reklamiert werden. Die Folge: Die Patientenzahl habe sich - demografisch bedingt - um 30 Prozent erhöht, die durchschnittliche Verweildauer jedoch fast halbiert. Genau dies mache man nun den Krankenhäusern zum Vorwurf. "Meint Minister Gröhe wirklich, dass mit Halbierung der Verweildauer die Qualität steigen kann?", fragt Emmerich.

Bei 30 Prozent mehr Patienten, aber nur noch halber Verweildauer sinke die Auslastung der Krankenhäuser. Jetzt aber spreche die Bundesregierung von einem neuen Qualitätsmanagement, von fortgesetzten Qualitätsmängeln, Preisabschlägen auf der Krankenhausrechnung und sogar von Klinikschließungen.

"Das ist der Gipfel!"

Den geplanten gesonderten Strukturfonds empfindet Emmerich als "den Gipfel": Statt eine Milliarde Euro für dringend benötigte Investitionen zur Verfügung zu stellen, gehe es darum, Häuser dicht zu machen.

"Fünf von 16 Kliniken mussten in den letzten zehn Jahren in der nördlichen Oberpfalz schließen, also 31 Prozent. Wie viele Krankenhäuser soll unsere Region noch verlieren? Und wie groß soll die Entfernung in der ländlichen Gegend werden, wenn ein Bürger der nördlichen Oberpfalz oder des Landkreises stationäre Behandlung benötigt?"
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