Dem Abriss knapp entgangen

Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer ließ die Baugeschichte von St. Hedwig lebendig werden. Bild: gac
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
06.10.2015
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"Ich bin verliebt in diese Klosterkirche!" Mit diesem Bekenntnis begann Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer seine Führung durch Geschichte und künstlerische Gestaltung von St. Hedwig, die heuer ihren 250. Jahrestag begeht.

Begrüßt wurden die Besucher in der festlich erleuchteten Kirche durch die Sonate für Orgel in D von Carl Philipp Emanuel Bach, gespielt von Dekanatskirchenmusiker Steffen Kordmann auf dem Orgelpositiv. Der Klang des kleinen Instruments, dem die großartigen Bässe einer Kirchenorgel fehlen, und diese Musik aus dem Übergang vom Barock zur Klassik passten bestens zu dem kleinen, hellen Kirchenraum, dessen Ausstattung einfach, aber gediegen ist.

Diese Schlichtheit war seinerzeit der Tatsache geschuldet, dass die verwitwete Pfalzgräfin Eleonore Philippine Christine von Sulzbach für den Bau des Salesianerinnen-Klosters und der dringend benötigten Mädchenschule ihr gesamtes Vermögen hergegeben hatte und für die Kirche kein Geld mehr da war. Trotz des Geldmangels, der auch den Baubeginn bis 1762 verzögerte, konnte der Amberger Stadtbaumeister Wolf Dirmann einen elegant proportionierten Kirchenbau mit hervorragender Akustik schaffen.

Gruft für die Nonnen

Eine farbliche Fassung von Decken und Altären war zwar offensichtlich vorgesehen, unterblieb aber seinerzeit. Für die Nonnen gab es eine Gruft unter der Kirche, in der jedoch bis zur Säkularisation nur zehn Frauen begraben wurden. Danach wurde die Gruft vermauert und erst 1987 bei Sanierungsarbeiten geöffnet.

"Nachhaltig gedacht war das Sulzbacher Salesianerinnen-Kloster eine Fehlinvestition, und beinahe hätte man das auch über seine Kirche sagen müssen", stellte Lommer fest. Nach nicht einmal 50 Jahren wurden Kloster und Kirche 1804 vom bayerischen Staat enteignet und die Kirche zum Abriss ausgeschrieben. Glücklicherweise konnte die Pfarrei St. Marien durch Intervention beim König diese Barbarei verhindern, wenn auch um den Preis des Abrisses der frisch renovierten Leonhards-Kapelle vor der Pfarrkirche.

Tanzender Rokoko

Im 19. Jahrhundert kamen die Orgel aus der Loretokapelle auf dem Annaberg und die heutige Gemäldeausstattung nach St. Hedwig. Auch die Farbgestaltung der Altäre wurde in dieser Zeit ausgeführt, in der die Kirche intensiv genutzt wurde. Im Gegensatz zum einfachen, fast strengen Kirchenraum sind die Altäre tanzender Rokoko. Dennoch ist der Gesamteindruck stimmig.

Eingewoben in die Kirchenführung lasen Dekan Walter Hellauer und Gemeindereferentin Maria Witt aus dem Briefwechsel der Ordensgründer Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal. Darin ging es um die Sublimierung aller seelischen und körperlichen Nöte durch die völlige Selbstentblößung vor Gott.

Diese Auswahl war ein Wagnis, denn das Thema und die uns Heutigen fremd gewordene Sprache hätten durchaus zu Missverständnissen Anlass geben können. Aber der souveräne und trotzdem innige Vortrag von Witt und Hellauer machte die Gefühlswallungen der Heiligen transparent und berührte die Zuhörer.
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