Den Bätzn einfach verspeist

Welch ein Andrang bei den Woizkirwapaaren Mitte der 80er Jahre. Bemerkenswert, dass ausschließlich die Tracht des Heimatvereins Birgland vorherrscht. Heutzutage überwiegt das Weinrot der Stamm-Leiberln.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.08.2015
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"Einmal Woizkirwa, immer Woizkirwa!" Das gilt auf jeden Fall beim langjährigen Mitgestalter Manfred Grädler. Was er in den 60er Jahren bei der Kirwa erlebte und damals noch gang und gäbe war, gibt es heutzutage nicht mehr oder wurde teilweise verändert. Früher gehörten zum Beispiel das Köichl-Zamspieln und ein Zug durchs "Bochviertel" zum festen Ablauf.

Los ging's übrigens damals beim früheren Gasthaus Zum Hofgarten durch die Bachgasse zum Luitpoldplatz und über die Allee zum ehemaligen TV-Sportplatz an der Bayreuther Straße. Vieles hat sich in all den Jahren beim großen Brauchtumsfest in der Herzogstadt gewandelt oder verändert. Die SRZ befragte hierzu den einstigen Kirwaburschen und jetzigen Fassl-Experten Manfred Grädler, der ab 1967 etliche Male mit dabei war beim Austanzen am alten Sportplatz. Dabei war er auch mit den zugehörigen Ritualen der Woizkirwa in der TV-Turnhalle vertraut.

SRZ: Woher kam der Kirwabaum, wer hat ihn gestiftet und wo war sein Standort?

Manfred Grädler: Also die Baumstifter kamen überwiegend aus den umliegenden Dörfern der Stadt. Meistens transportierte man den Baum Samstagfrüh zur ehemaligen Reitschule und richtete ihn her, bevor er dann am Nachmittag in ein mit der Hand gegrabenes circa drei Meter tiefes Loch neben dem TV-Sportplatz aufgestellt wurde.

Wie gingen vor rund 50 Jahren die allgemeinen Woizkirwa-Tage über die Bühne und wer organisierte das ganze Brauchtumsfest?

Grädler: Natürlich war in dieser Zeit vieles ganz anders als der heutige Kirwa-Ablauf. Angefangen vom Köichla-Zusammenspielen mit den Musikanten, den Kirwaburschen und -moidln, das am Gasthaus Zum Hofgarten begann und über die Rosenberger Straße zum Loderhof führte. Dabei besuchte man alle Vereinsmitglieder der Birgländer und des Stamm-Vereins und lud sie sozusagen im Gegenzug für das geschenkte und selbst gebackene Schmalzgebäck zur Woizkirwa ein.

Wer war für die Musik verantwortlich? Und welche Tänze und Lieder gehörten zum Austanzen?

Grädler: Eine zünftige Blasmusik mit Oberpfälzer Stückln und die einheimischen Kirwa-Lieder standen auch schon früher auf dem Programm und außer Frage, zumal ja damals unter der Regie von Volkstumspfleger Hanns Binder noch viele Sachen strenger gehandhabt wurden als in jetziger Zeit. Alle Rundtänze und Lieder fanden in etwa gleicher Reihenfolge statt, wie auch heute noch.

Welchen Ablauf gab es beim Tanzabend in der TV-Turnhalle, wer zahlte die Musik und wie hoch waren die Einnahmen der Paare?

Grädler: Solange in der TV-Turnhalle ein Tanz stattfand, finanzierte das Eintrittsgeld der Kirwa-Gäste die Blasmusik für Sonntag und Montag. Am Kirwa-Samstag gab es keine Musik. Die Boum und Moila hatten durch den Verkauf der gespendeten Köichln im Vergleich zu heute bescheidene Einnahmen, die oftmals für Getränke und das Essen dienten.

Was geschah damals mit dem Woizkirwa-Baum?

Grädler: Am Noukirwa-Abend wurde er versteigert, zuerst nach deutschem System und anschließend nach englischem. Meistens schenkte der Gewinner den Baum wieder zurück an die Kirwapaare, die damit ihre Einnahmen aufbesserten.

Wer führte in all den Jahren den Schoufbätz und was passierte damals mit dem vierbeinigen Kirwasymbol?

Grädler: Viele Jahre war der Heindl Jakl (Jakob Heindl) bei der Woizkirwa als Bätzn-Führer tätig, bevor dann der Winter Wolf (Wolfgang Winter) in seine Fußstapfen trat. Seit dem Jahr 2013 haben Martin Niebler und Florian Kolb dieses Erbe übernommen. Etwa vier Wochen nach der Kirwa schlachtete man jedes Jahr den Hammel und verspeiste ihn beim folgenden Kirwa-Essen.

Welches Fazit lässt sich im Vergleich zu früheren Zeiten ziehen?

Grädler: Also von der alten Woizkirwa zur aktuellen Kirwa sind schon Unterschiede vorhanden, vor allem auch in finanzieller Art. Früher stand die Unterhaltung und die Freude der Kirwapaare am "Mitmachen dürfen" im Vordergrund, was heutzutage nicht mehr ganz so oft zum Tragen kommt. (Angemerkt/Zum Thema)
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