Den Kunden gefällt's

Vor 20 Jahren war das alles viel leichter, aber es hilft nichts, du musst mit der Zeit gehen.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
19.02.2015
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Der Mindestlohn ist für Hans Lotter kein Problem. "Für das Geld arbeitet bei uns schon lange keiner mehr", sagt der Obermeister der Metzgerinnung. "Da kriegst du nicht mal einen Bratwurstbrater am Annaberg." Die Allergen-Verordnung bringt ihn schon eher ins Schwitzen.

Die SRZ hat sich im Vorfeld der Messe "Handwerk aktuell" am kommenden Wochenende umgehört, was den Berufsstand in der Region derzeit beschäftigt.

Die neue Allergen-Verordnung, seit Dezember in Kraft, legt fest, dass jetzt auch bei unverpackter Ware die wichtigsten Allergene in den Inhaltsstoffen angegeben werden müssen. Also bei Wurst, Fleisch und Brot. Für Metzger und Bäcker ist das nicht nebenbei zu erledigen. "Das muss man sehr ernst nehmen", sagt Lotter.

"Alles gute Gewürze"

Er hat sich für die Variante entschieden, seine Kunden durch einen Ordner im Laden über die potenziell Allergien auslösenden Zusatzstoffe in seiner Ware zu informieren. Sellerie, Senf, Erdnüsse oder Pistazien sind die Zutaten, die dafür in einer Metzgerei am häufigsten infrage kommen. "Eigentlich alles gute Gewürze", findet Lotter, aber für manchen genau der Stoff, der bei ihm eine allergische Reaktion hervorruft. Wirklich viele Kunden sind es nicht, die sich für den Allergen-Ordner interessieren, sagt Lotter, aber einige doch. Seine Erfahrung: "Es gibt mehr Leute, die mit Allergien Probleme haben, als man so gemeinhin denkt." Von rund sechs Millionen Nahrungsmittelallergikern in Deutschland geht der Deutsche Allergie- und Asthmabund aus.

Die Schwierigkeit für den Metzger ist unter anderem, dass er sich intensiv mit den Inhaltsstoffen aller verwendeten Gewürze auseinandersetzen muss. Die kommen aber schon abgemischt, so dass er auf die Angaben der Lieferfirmen angewiesen ist. Und das müsse man ständig im Auge behalten, es genüge nicht, sich etwa nur einmal im Jahr damit auseinanderzusetzen. "Du bist immer in der Pflicht", beschreibt Lotter die Situation in seinem Gewerbe.

Unkomplizierter ist das bei den Bäckern. Innungs-Obermeister Wolfgang Fischer spricht hier von einem einmaligen Aufwand, bei dem man von den Backmittel-Herstellern gut unterstützt werde. Sie gäben ihre Inhaltsstoffe problemlos weiter, die Bäko-Einkaufsgenossenschaft liste alle Produkte auf einer eigenen Internet-Seite auf, so dass es für den einzelnen Bäcker relativ einfach zu handhaben sei. "Du musst aber jedes einzelne deiner Rezepte durchgehen. Das ist es, was den Aufwand ausmacht."

Der Mindestlohn ist das andere Thema, das dem Handwerk neue Sorgen macht. Zumindest den Friseuren, deren Lohnkosten dadurch anstiegen. Da gibt es bald Preiserhöhungen, oder? "Das ist nicht so einfach", sagt Brita Bachfischer. "Alle haben ein bisschen Angst davor." Eigentlich wüsste jeder Friseur, dass er jetzt vom Kunden mehr verlangen müsse, schließlich würden zusätzlich die im Geschäft verwendeten Produkte teurer. "Aber bisher traut sich keiner so recht", meint die Obermeisterin der Friseur-Innung. "Die Devise ist: lieber erst mal gucken."

Nur eine Schonfrist

Die Kunden sprächen sie oft darauf an, dass der Preis allen Prophezeiungen zum Trotz gleich geblieben sei - "vor allem die Männer, die nur alle sechs Wochen kommen und sich dann freuen, dass sie nicht mehr bezahlen müssen". Auf lange Sicht aber werde kein Friseur an Preiserhöhungen vorbeikommen.
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