Der Mais hängt am Tropf

Wo der Mais zu wenig Regen abbekam, fehlt es der Pflanze nicht nur an der Höhe, sondern auch die Kolben kann man mit der Lupe suchen. Bild: Huber
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
10.08.2015
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Willibald Götz und Josef Schmidt sind keine Alarmisten. Der Chef des Landwirtschaftsamtes und sein Mitarbeiter wollen wegen der Trockenheit keine Pferde scheu machen. Zuerst fallen ihnen sogar drei Gründe ein, warum 2015 ein gutes Jahr für die Landwirtschaft ist.

Der erste: 2014 fiel die Ernte durchweg so gut aus, dass die Landwirte mit größeren Vorräten in dieses Jahr gingen. Dann war 2015 der erste Grasschnitt sehr ordentlich. Und schließlich sorgte heuer das Wetter dafür, dass die Getreideernte fast ohne Zeitdruck, aber dennoch sehr zügig über die Bühne gehen konnte.

Zusätzliche Kosten für die Getreidetrocknung fielen nicht nennenswert an. "Die Qualität als solche ist sehr gut", sagt Behördenleiter Götz. "Und die Erträge sind wider Erwarten gut bis brauchbar, außer bei der Sommergerste", ergänzt Landwirtschaftsdirektor Schmidt.

Ein Schutzmechanismus

Eine Pflanze macht dennoch Sorgen; eine, die eigentlich die Wärme liebt, aber eben auch nicht ohne Wasser auskommt: der Mais. Gelegentlich sieht man ihn schon die Blätter einrollen. Das ist ein Schutzmechanismus bei Hitze, erklärt Schmidt. Auf schlechten Böden kann das aber dazu führen, dass die Blätter vom Rand her austrocknen. Man sieht freilich im Landkreis auch ganz ansehnliche Bestände. "Das hängt vom Boden ab, von den Niederschlägen an der Stelle und vom Zeitpunkt der Aussaat", beschreibt Willibald Götz die entscheidenden Kriterien.

Die früher gesäte Pflanze war schon besser entwickelt, als die Trockenheit einsetzte; die konnte ihr deshalb nicht so viel anhaben. Aber langsam braucht der Mais wieder Wasser. Am Freitag hatte Schmidt auf den für Samstag angekündigten Gewitterregen gehofft. "Fünf bis zehn Liter Niederschlag pro Quadratmeter reichen schon, dass der Mais wieder für acht Tage eine Chance hat." Jetzt geht eben das Hoffen weiter.

Und wenn es trocken bleibt? Schmidt: "Dann wird es kritisch. Der Mais geht sicher nicht flächendeckend kaputt, aber an schlechten Standorten ist die Ernte dann gefährdet." Denn größere Wasserreserven aus dem Boden sind für den Mais nicht erreichbar; weiter als 25 oder 30 Zentimeter kommen seine Wurzeln nicht in die Tiefe. Zum Vergleich: Die Luzerne-Wurzeln dringen bis zu acht Meter vor.

Schon jetzt ernten?

Deshalb kamen vergangene Woche schon erste Anfragen von besorgten Landwirten, ob man den Mais, der ansonsten frühestens im September geerntet wird, vielleicht schon gleich einbringen sollte. Schmidt sieht sich hier den Einzelfall an, hält aber generell nicht viel davon: Wenn die Kolben noch klein sind, hat die Pflanze einen geringen Futterwert.

"Beim Mais steckt die Hälfte der Energie im Kolben - und da geht man von einer drei Meter hohen Pflanze aus", weiß Götz. Zudem könne ein schlechter Bestand zu Problemen beim Silieren führen. Wo die Ernte unbedingt sein müsse, solle man sie am Morgen erledigen, denn die am Nachmittag aufgeheizte Pflanze bereite nur Nachgärungsprobleme.
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