Der Papierkrieg nervt

Drei Stunden lang unterhielt sich Landrat Richard Reisinger (Zweiter von rechts) bei einem Treffen unter Vorsitz von Kreishandwerksmeister Hans Weber (rechts) mit Innungsvertretern. Dabei kamen viele Themen zur Sprache, die den Handwerkern auf den Nägeln brennen. Bild: usc
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.04.2015
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Wenn Handwerker vom Landkreis Aufträge wollen, müssen sie oft selbst für relativ geringfügige Gewerke einen gewaltigen Papierkrieg auf sich nehmen. Landrat Richard Reisinger bot ihnen in einer Diskussionsrunde sofort ein Gespräch mit Verantwortlichen seines Gebäudemanagements an.

Reisinger hatte bei dem Treffen mit Vorstandsmitgliedern der Kreishandwerkerschaft nach konkreten Anliegen gegenüber dem Landratsamt gefragt. Manfred Englhard, stellvertretender Obermeister der Innung Spengler, Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik, legte daraufhin ein dickes Geheft vor, das für die Ausschreibung von einigen Heizkörpern vom Gebäudemanagement des Amtes verschickt wurde. Ein riesiger Zeitaufwand für einen Handwerksbetrieb - bei einer eigentlich läppischen Auftragssumme. Dass dies kein Einzelfall ist, bestätigte die Runde.

Unverständnis löste auch der Fall eines Auftrags über 7000 Euro aus, für den das Amt ein Angebot bis aus Kelheim einholte, wobei eine Firma von dort sogar den Zuschlag erhielt. Reisinger fand Verständnis für seinen Hinweis, in den Details nicht bewandert zu sein. Er wollte aber an Ort und Stelle Nägel mit Köpfen machen und unterbreitete der Runde den Vorschlag, eine Unterredung mit den Verantwortlichen seines Gebäudemanagements zu arrangieren. Die seien in der Lage, dazu erschöpfend Auskunft zu geben.

Besser einhäusig

Natürlich interessierte die Handwerksvertreter auch, welche Investitionen der Landkreis plant, Projekte also, die auch für regionale Firmen infrage kämen. Reisinger berichtete dazu von den Sanierungsbeschlüssen aus dem jüngsten Kreisausschuss. Zur Generalsanierung des Berufsschulzentrums in Sulzbach-Rosenberg merkte der Landrat an, dabei werde man Überlegungen für eine Einhäusigkeit anstellen, habe man doch derzeit zwei Berufsschulstandorte in Sulzbach-Rosenberg.

Nachwuchsgewinnung und Facharbeitermangel brannten den Innungsoberen ebenfalls auf den Nägeln. Kreishandwerksmeister Hans Weber bedauerte die gesetzlichen Hürden bei jungen Flüchtlingen und Asylbewerbern. Unter ihnen, so war sich Weber sicher, gäbe es geeigneten Handwerkernachwuchs. Es sollten Mittel und Wege gefunden werden, hier eine Ausbildung beginnen und auch zu Ende führen zu dürfen beziehungsweise einen Verbleib im Gastland zu erlauben. "Und wenn sie danach bei uns nicht bleiben dürfen, so haben die jungen Leute zumindest die Befähigung, bei Rückkehr in ihr Heimatland dort eine eigene Existenz aufzubauen", sagte Weber.

Ausgehend von der Diskussion über eine weitere Realschule im Landkreis, brachen mehrere Innungsvertreter eine Lanze für den M-Zug der Mittelschulen. Bewerbern aus diesem Bildungsbereich gibt man im Handwerk offenbar den Vorzug vor Realschülern. Namentlich wurde dabei die Schule in Hahnbach gelobt. Gute Erfahrungen haben die Betriebe offenkundig mit Jungen und Mädchen vom Land bei der Auswahl der Bewerber gemacht.

Für Alleinerziehende

Auch der Landrat legte der Runde etwas ans Herz: Als Trägervorsitzender des Jobcenters seien ihm Fälle von Alleinerziehenden bekannt, die dringend nach einer Beschäftigung mit flexibler Arbeitszeit suchten. Unter Langzeitarbeitslosen kenne er Jobsuchende über 50 Jahren, die unter ihrer misslichen Lage sehr leiden. Reisinger bat die Runde, den Kontakt mit der Leiterin des Jobcenters zu suchen. Ein gewisses Potenzial für den Arbeitsmarkt sieht der Landrat zudem unter den jungen Leuten ohne Ausbildung in der Joa-Klasse am Beruflichen Schulzentrum Sulzbach-Rosenberg. Die betreut Wolfgang Lorenz. Reisinger empfahl, ihn als Ansprechpartner zu kontaktieren.
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