Die Freude des Zaunkönigs

Sie freuen sich über die Arbeit ihrer Vorgänger und führen sie mustergültig fort: Forstoberrat Klaus Bichlmaier (rechts) und Revierförster Wolfgang Weißmann sind stolz auf das attraktive Gebiet. Übrigens: Sogar in dieser Info-Tafel ist ein Vogelnest.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.08.2015
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In seiner Bruthöhle sitzt der Buntspecht am Wegesrand - in Augenhöhe der Spaziergänger und Radler, er lässt sich nicht stören. Kleine Erdkröten krabbeln über den Weg, im Gebüsch zirpt der Zaunkönig. Beeren leuchten, Schwammerln locken, und es duftet intensiv nach Wald. Im Naherholungsgebiet Wagensaß ist dem Forstbetrieb das Kunststück gelungen, Menschen, Waldbau und Natur zu vereinen.

Es ist ein harmonischer Dreiklang, und nur wer genau hinhört, der kann sich von diesem Akkord bezaubern lassen: Erholung, Naturschutz und Forstwirtschaft sind eins im Naherholungsgebiet. Das war nicht immer so.

Zu Zeiten der Sulzbacher Herzöge erstreckte sich beispielsweise eine lange Weiherkette in dem Tal neben dem jetzigen Autobahnzubringer - sie versorgte das Schloss mit Fisch. Nach dem Stadtbrand 1822 ging dieser Wald an den Staat, der ihn heute noch bewirtschaftet. Fichten wurden in den ehemaligen Weihern gepflanzt, sie wuchsen schlecht und wurzelten nicht tief, was bei großen Stürmen zu riesigen Windwürfen führte. Seit zehn Jahren sind die Bäume abgeholzt, alte Dämme ausgebessert, die Natur hat nun das Wort: Es entstand wieder ein Feuchtbiotop.

Ein Top-Ergebnis

Auch der restliche Wald zwischen Trimm-Pfad, Postweg, See und Staatsstraße sah bescheiden aus: Meist Fichten-Monokultur ohne Unterholz, öde, karg, überhaupt nicht einladend. Die Förster machten sich an die Arbeit, das Ergebnis darf als Musterbeispiel gelten.

Auf rund 450 Hektar, also 4,5 Quadratkilometern, entstand ein einzigartiger, bestimmt zukunftsfähiger Mischwald aus über 30 Baumarten. Förster, Forstarbeiter, pflanzende "Kulturfrauen", aber auch Maschinen wie Harvester, Rückezug oder Bagger legten "Hand" an. Wege entstanden, Biotope wuchsen vor allem in den letzten Jahren, Sturmschäden verschwanden oder Durchforstung veränderte das Gesicht des Waldes.

Licht wirkt Wunder

Der Baumnachwuchs bekam Licht und schoss empor, Laub löste Fichtennadeln ab, und jetzt findet sich in der für unsere Region selten hohen Baum-Vielfalt eine üppige Gras- und Kraut-Vegetation. In den Biotopen tummelt sich eine arten- und zahlreiche Tierwelt. Überall laden Baumstümpfe und Totholz-Stämme ein - Spechte, Fledermäuse, Hornissen, Ameisen, aber auch Flechten und Pilze nehmen das dankbar an. Der Zaunkönig freut sich über den Wurzelteller eines umgestürzten Baumes.

Unverzichtbare Strecke

Jetzt kommt der Mensch ins Spiel: Der Waldlehrpfad zieht Klassen oder Gruppen magisch an, der Trimmpfad mit seinem federnden Waldboden ist fast rund um die Uhr bei jedem Wetter genutzt. Als Laufstrecke ist er unverzichtbar, ebenso der asphaltierte Weg für Senioren, Kinderwagenschieber und sonstige Spaziergänger.

Zwölf Kilometer Forstwege und fünf Kilometer Waldpfade bieten allen Altersgruppen Bewegungsmöglichkeit. Für Kehren und Winterdienst am Teerweg, Pflege und Unterhalt des Trimm-Pfades, des Park- und Spielplatzes zeichnet der städtische Bauhof verantwortlich.

Unterwegs mit Forstoberrat Klaus Bichlmaier und Wolfgang Weissmann vom zuständigen Forstbetrieb Schnaittenbach zeigt sich, wie sehr die Förster diese Arbeit lieben. Immer wieder zeigen sie auf einen seltenen Baum, eine Bruthöhle, eine markante Stelle, sie erklären die Feuchtbiotope neben dem Weg, die Funktion der einzelnen Baumarten, das Alter der Bestände.

Ein wenig guter Wille auf allen Seiten bringt die verschiedensten Ansprüche in Einklang, durch Kommunikation und Einblick entsteht Argwohn erst gar nicht: Forstbetriebliche Arbeiten laufen fast unbemerkt, Holzfällung und Wegebau werden rechtzeitig im Vorfeld bekanntgemacht, die Jagdausübung ist auf ein absolutes Minimum reduziert.

Bichlmaier lobt weiter: "Radfahrer bleiben auf den Wegen, vermeiden Konflikte mit Spaziergängern auf Pfaden, Hundehalter führen ihre Lieblinge kurz, wenn jemand entgegenkommt, und lassen sie nicht allein in den Wald laufen." Die Zielrichtung der Bayerischen Staatsforsten "Nützen und schützen auf der ganzen Fläche" sei im gesamten Gebiet erfolgreich realisiert worden. Bichlmaiers Fazit: "Der Dreiklang ist durchaus auf der selben Fläche vereinbar!"
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