Die Neue Nürnberger Ratsmusik überträgt den Geist des 18. Jahrhunderts in die Gegenwart
Ein reizvolles Kapitel der Musikgeschichte

Die Neue Nürnberger Ratsmusik spielte in der Synagoge Concerti des schwedischen Komponisten Johan Agrell. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
25.06.2015
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Ein Klangerlebnis wie im 18. Jahrhundert bot die Neue Nürnberger Ratsmusik bei den Sulzbacher Hofmusiktagen in der ehemaligen Synagoge. Das vor zehn Jahren gegründete Ensemble spielt historische Instrumente und pflegt die Alte Musik.

Johan Joachim Agrell gehört wohl nicht zu den ganz großen Komponisten des 18. Jahrhunderts. Aber die Neue Nürnberger Ratsmusik zeigte, dass es sich lohnt, auch fast vergessene Schätze zu heben, den Staub der Jahrhunderte wegzublasen und die Stücke mit der originalen Frische und Lebendigkeit zu spielen. Die sieben Musiker mit Geigen, Bratsche, Cello und Violone (ein historisches Streichinstrument aus der Gambenfamilie), Traversflöte und Cembalo spielten alle Klangfarben ihrer Instrumente aus.

Die ungewöhnliche Besetzung mit den Doppelsolisten Flöte und Cembalo erlaubte reizvolle Wirkungen. Beim lieblichen Andante im Concerto II in h-moll schmiegte sich das zarte Cembalo innig an den weichen, warmen Klang der Traversflöte an; nur leise unterstrichen von Geige und Cello.

Feurig agierte die erste Geige im Allegro. Auch bei den Concerti I und II überzeugten die Musiker durch eine Interpretation, die den Geist des 18. Jahrhunderts in die Gegenwart brachte und so ein reizvolles Kapitel der Musikgeschichte vermittelte. Mit ihrem vollendeten Zusammenspiel machten die sieben Virtuosen Agrells Wurzeln im Barock, seine Empfindsamkeit, genauso hörbar wie seine Orientierung am kommenden Sturm und Drang.

Vor allem bei drei kurzen Sinfonias, die nur von den Streichern gespielt wurden, kamen die historischen Saiteninstrumente schön zur Geltung. Ihr Klang war warm und weich. Aber die barocken Geigen und Bratsche, Cello und Violone stellen an die Spieler besondere Anforderungen.

Beispielsweise haben die historischen Violinen und Violen noch keine Kinnstütze. Der Spieler muss sie deshalb mit der Hand halten, was seine Beweglichkeit einschränkt. Auch verstimmen sich die Instrumente schneller als die heutigen. Die Musiker mussten deshalb zwischen den Stücken nachbessern, um den reinen Klang zu erhalten.

Diese technischen Herausforderungen schienen aber die Spielfreude der Neuen Nürnberger Ratsmusik nur zu beflügeln. So funkelten und blitzten Agrells Werke, sie waren lieblich und elegant, charmant und teils sogar keck wie vor 250 Jahren. Das Publikum in der fast ausverkauften Synagoge applaudierte begeistert. "Das war ein wahrhaft ergötzliches Konzert", stellte einer der Besucher begeistert fest.
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