Die Rückkehr der Wildkatze

Wildkatzen sind sehr scheu. Deshalb bekommt man sie in freier Natur eher selten zu Gesicht. Dieses Exemplar wurde 2009 im Freigehege im Nationalpark Bayerischer Wald fotografiert. Bild: Ronald Wittek/dpa
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.05.2015
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Rudi Leitl besprüht einen Lockstock mit Baldrian-Lösung: Dieser Duft zieht Wildkatzen an, die sich dann an dem Holzpflock reiben - und dort Haare hinterlassen. Anhand dieser Spuren kann man die Tiere durch genetische Untersuchungen eindeutig identifizieren. Bild: Hartl

Zu Gesicht bekommt man sie praktisch nicht. Das liegt nicht nur daran, dass die Wildkatze sehr scheu ist. Sondern auch daran, dass sie lange bejagt und damit selten geworden ist. Doch es gibt Hinweise darauf, dass diese Tierart zu uns zurückkehrt: Rudi Leitl, Gebietsbetreuer vom Landschaftspflegeverband, und sein Helfer-Team folgen einer heißen Spur.

Wie macht man ein praktisch unsichtbares Tier sichtbar? Bei der Wildkatze nutzt man dafür deren Leidenschaft für Baldrian: Damit werden sogenannte Lockstöcke besprüht - raue Holzpfosten, die in den Waldboden geschlagen werden, die Tiere anziehen, die sich dann daran reiben und dabei Haare hinterlassen. Diese kann man dann genetisch untersuchen. Die Methode ist zwar aufwendig und mit 200 Euro pro Analyse auch nicht ganz billig. Aber die Ergebnisse identifizieren nicht nur die Wildkatze eindeutig als solche, sondern geben sogar Auskunft darüber, woher sie stammt.

Faustdicke Überraschung

Ein solches Lockstock-Projekt hat vor sechs Jahren schon einmal für eine faustdicke Überraschung gesorgt: Es zeigte, dass bei Schafhof/Ebermannsdorf eine Wildkatze unterwegs war. Nicht gerade der optimale Lebensraum für diese Tierart, erläutert Rudi Leitl.

Den Nachweis dort bringen Experten wie er ausgerechnet mit der Autobahn in Verbindung. Die sei zwar an sich eher schlecht, weil oft tödlich, für Tiere. Aber sie sei auch ein Leitkorridor - weil beispielsweise Wildkatzen ihre Überquerung meiden und stattdessen entlang dieser Straßen wandern. "Tiere sind lernfähig", sagt Leitl dazu: "Letztlich werden die Dummen überfahren. Die schlaueren gehen nicht drüber, sondern daran entlang oder suchen irgendeinen Durchlass wie beispielsweise eine Brücke."

Insofern könnte es durchaus sein, dass die Wildkatze sich Ebermannsdorf nicht als neue Heimat ausgesucht hat, sondern doch nur auf der Durchreise war.

Spuren wie diese waren der Anlass dafür, dass es die bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft genauer wissen wollte und weitere Lockstock-Projekte auf den Weg gebracht hat, unter anderem mit einem Wildkatzennachweis 2011 nahe Schnaittenbach. Der ergab eindeutig: Das Tier dort war ein Kuder - so nennt man männliche Wildkatzen - der aus der Gegend des Großen Teichelbergs bei Mitterteich zu uns kam. Grund genug, die Wildkatzen weiter im Blick zu behalten. 2013 und 2014 dann allerdings ohne weitere Nachweise bei uns.


Das könnte sich jetzt ändern. Auch heuer waren Rudi Leitl und sein achtköpfiges Helfer-Team wieder bei einem großangelegten Lockstock-Projekt aktiv. Und haben bei Schnaittenbach und auch bei Freudenberg einige vielversprechende Haarproben entdeckt. Diese hat Leitl gerade an die Experten des Frankfurter Senckenberg-Instituts geschickt, die sie nun genetisch analysieren. Das dauert eine Weile, weil bundesweit Tausende solcher Proben gesammelt wurden. Mit Ergebnissen rechnet Leitl deshalb "frühestens im Herbst".

Laubwälder bevorzugt

"Man muss dazu sagen, dass der Bereich um Schnaittenbach nicht so optimal ist von der Waldstruktur - weil das alles Kiefernwälder sind", schränkt Leitl ein: "Die Wildkatze bevorzugt eigentlich eher Laubwälder, vor allem alte, mit dicken, abgestorbenen Bäumen, wo sie auch ihre Jungen zur Welt bringen kann. So was findet man ja bei uns kaum mehr." Trotzdem habe es im Landkreis bereits weitere Wildkatzen-Nachweise gegeben, etwa zwischen Königstein und Auerbach. "Da sind schöne Laubwälder und Felsen." Letztere seien eine gute Alternative zu abgestorbenen Bäumen als Kinderzimmer für Wildkatzen-Nachwuchs.

Gute Lebensbedingungen scheint den Tieren auch der Übungsplatz Grafenwöhr zu bieten. "Schon mindestens vier Individuen hat man dort anhand von Haarproben feststellen können", berichtet Leitl von früheren Untersuchungen. "Und mit großer Wahrscheinlichkeit findet dort auch schon Reproduktion statt": Die Tiere vermehren sich also wieder.

Zwei Hoffnungsträger

In der Oberpfalz existierten momentan "zwei residente, also sesshafte, Wildkatzen-Vorkommen, eines am Teichelberg und das andere im westlichen Truppenübungsplatz Grafenwöhr, beziehungsweise zwischen Auerbach und Königstein: Das sind unsere Hoffnungsträger".

In größeren Zahlen würde die Wildkatze aber auch bei besten Bedingungen nicht wieder bei uns auftauchen, da ist sich Leitl sicher - "weil Wildtiere, vor allem Beutegreifer, eine innerartliche Konkurrenz haben, die so groß ist, dass sie keine hohen Dichten erreichen können."

Wildkatzensprung – die Dokumentation vom BUND

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