Digital geht auch mit Stil

Das neue Wanddesign einer Bücherei passt gut zu den Sesseln und Tischchen. Auch der Reihenabstand ist sehr komfortabel. Bilder: Gebhardt (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.11.2014
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Entspannt im Sessel sitzen mit einem Prosecco, einen neuen Film in 4-K-Qualität genießen - das geht ab heute nicht nur daheim: Im Lu-Li-Kino ist die Umrüstung abgeschlossen, das einzige Lichtspielhaus der Stadt verfügt nun über drei digitale Projektoren. Und teils sieht es aus wie im Wohnzimmer.

Anders geht es nicht. Das hat Dieter Hierstetter, Besitzer der "Luitpold-Lichtspiele" (Lu-Li), schon lange erkannt. Er nahm ordentlich Geld in die Hand und rüstete für einen ansehnlichen sechsstelligen Betrag seit Januar das Kino 1 (140 Plätze), Kino 2 (70) und Kino 3 (50) um: Neue digitale Projektoren, teils neue Ausstattung und ein neues Konzept im letzten Bauabschnitt. Heute Abend geht es los.

Keine andere Wahl

Über 3500 von 4500 deutschen Lichtspielhäusern haben schon umgestellt auf die neue, teure Technik, die Verleiher ließen ihnen eigentlich keine anderen Wahl. "Wenn die Filme nur mehr auf Festplatte statt auf Rollen angeboten werden, dann bleibt dir mittelfristig nichts anderes übrig." Die Filme lädt Dieter Hierstetter (in Echtzeit!) von der Verleiher-Festplatte auf seinen Server. Mittels eines zugesandten Code-Schlüssels kann er sie für Vorführungen freischalten. Bringt die Digitaltechnik wirklich ein deutliches Plus an Qualität?

Hierstetter meint: Ja. Zum einen garantieren die sechs Lampen im neuen Projektor eine extrem gleichmäßige Ausleuchtung des Leinwandbildes bis in alle Randbereiche hinein, zum anderen besticht die 4-K-Technik mit hoher Auflösung. Auf dem Server kann sich der Kinobesitzer dann sein Programm zusammenstellen: Werbung, Trailer, Hauptfilm, Abspann bis hin zum Einschalten des Saal-Lichts - das alles regelt der Computer.

Dieter Hierstetter ist vor der Zukunft nicht bange: "Bei einer Stadt mit etwa 20 000 Einwohnern und noch einmal so vielen im Hinterland hat ein Kino in Sulzbach-Rosenberg schon seine Existenzberechtigung." Und bei bestimmten Film-Genres sieht er an der Kasse immer noch viele Leute, die er eben vorher hier noch nie gesehen hat - ein Zeichen dafür, dass noch Potenzial vorhanden ist bei den Kinogängern.

Die neue Loge

Was ist nun neu außer der Projektortechnik? Im Kino 3, gleich links um die Ecke nach dem Eingang, hat sich der Anblick massiv gewandelt: weniger Klappsitzreihen, großer Abstand wie in der Business-Class im Flieger, und im hinteren Bereich zehn gelbe Sessel mit Tischchen nebendran. Eine echte Lounge. "Das ist die neue Loge!", freut sich Hierstetter. Sekt oder Wein genießen während des Films, das sollte so manchen neuen Gast locken. Aktuelle Filme schon kurz nach Erscheinen zu zeigen, das ist einer der Vorteile der Digitaltechnik, die besonders junge Kinogänger anspricht. "Wir bleiben mit den Preisen ausgesprochen human und erheben keinen Wochenend-Zuschlag", erklärt der langjährige Betreiber. Im Gegenteil: Kino-Tag montags fünf Euro pauschal, 3,50 Euro am Sonntagvormittag - da können sich auch kinderreiche Familien das Filmvergnügen leisten. Die örtlichen Schulen will Hierstetter ebenfalls mit ins Boot holen: "Wir sind 2015 zum ersten Mal im bayerischen Schulkino-Programm, weil uns die Lehrer empfohlen haben." Und das wohl zu Recht. (Angemerkt)
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