Digital läuft alles nach Plan

Programmierung im Akkord: Die neuen Digitalfunkgeräte der Feuerwehr werden momentan auf ihren Einsatz vorbereitet. Bild: Petra Hartl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.03.2015
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Der Digitalfunk bereitet Kreisbrandrat Fredi Weiß kein Kopfzerbrechen - der Personalmangel bei der Feuerwehr tagsüber unter der Woche schon.

Der Aufwand ist groß: Allein für Amberg und den Landkreis müssen rund 850 Handsprechgeräte programmiert werden. "Grob die Hälfte haben wir fertig", sagt Kreisbrandrat Fredi Weiß. Dem Start des neuen digitalen Funks am 1. Januar 2016 steht aus seiner Sicht nichts im Weg.

Das Thema hat für Weiß derzeit oberste Priorität. Nach den Vorbereitungen durch die zuständigen Behörden und dem Aufbau des neuen Funknetzes liegt der Ball nun bei den Feuerwehren, sagt deren Landkreis-Chef: "Jetzt müssen wir unsere Hausaufgaben machen."

Die meisten Funkgeräte sind inzwischen beschafft. Sie werden nun programmiert und ihre künftigen Nutzer müssen lernen, damit umzugehen. "Analog hat man nur eingeschaltet - und los ging's. Das ist jetzt vorbei." Die Bedienung funktioniert künftig über eine Menüführung, ähnlich wie bei einem Handy.

Schulungen laufen schon

Die Schulungen dazu laufen schon. "Wir haben dafür sogenannte Multiplikatoren ausgebildet an der Feuerwehrschule Regensburg", teilt Weiß mit. Kleinere Gemeinden mit bis zu vier Feuerwehren haben einen solchen Fachmann vor Ort, größere wie Auerbach oder Hahnbach zwei: Sie leiten die Ausbildungen der Aktiven. Das Interesse ist groß, vor allem die Jungen seien ganz heiß auf die neue Technik. Nicht jeder wird später ein eigenes Funkgerät haben - aber wer eines hat, muss auch wissen, wie's funktioniert.

Zunächst ist dafür aber eine Grundprogrammierung der Geräte nötig. Dafür sorgt seit Oktober die eigens eingerichtete "taktisch-technische Betriebsstelle" (TTB). Über 400 Handsprechfunkgeräte sind laut Weiß inzwischen schon eingestellt, bis Ende des Monats sei auch die andere Hälfte erledigt. Im zweiten Quartal folgen dann die Funkgeräte in den Fahrzeugen. "Damit liegen wir absolut gut in der Zeit", bilanziert der Kreisbrandrat zufrieden - und durchaus überrascht, wie er einräumt: "Ich hab' mir das schwieriger vorgestellt."

Weiß schätzt, "wir werden knapp 3000 Funkgeräte im Leitstellenbereich in Betrieb haben". Nicht nur alle Feuerwehren im Zweckverbandsgebiet Amberg. Amberg-Sulzbach und Schwandorf müssen ausgerüstet und fit in der neuen Technik sein, sondern auch alle anderen Einsatzkräfte - Polizei, Rotes Kreuz, Berg- und Wasserwacht.

Die Grundprogrammierung samt Test und Datenbank-Erfassung "ist schon ein Aufwand", weiß Fredi Weiß, der sich diese Aufgabe mit seinem Amberger Amtskollegen, Stadtbrandrat Bernhard Strobl, teilt. Funkbereit sind die neuen Geräte aber erst, wenn die zuständige Stelle im Landeskriminalamt sie ins Netz eingebucht hat. Einfacher wird es später, wenn Updates, also neue Programme, aufgespielt werden müssen: Das erledigen Weiß und seine Kollegen dann vor Ort. Von heute auf morgen umgestellt wird der Funk übrigens nicht: "Das läuft eine Zeit lang zweigleisig" und werde ab April auch ausgiebig getestet. Auch, um zu sehen, ob das Netz hält, was die Experten versprochen haben. Schließlich sei bislang alles nur Theorie gewesen - Berechnungen eben. Erst die Praxis werde zeigen, ob die neue Technik überall funktioniert oder ob irgendwo noch nachgerüstet werden muss.

Im Herbst steht die große Nagelprobe an: Ein Massentest mit 70 bis 80 Geräten soll zeigen, ob das Netz auch einem Ansturm an Einsatz-Gesprächen gewachsen ist, den Katastrophen wie ein Flugzeugabsturz erfordern. Handynetze gehen da nämlich schon mal in die Knie.

In Oberbayern ist der Digitalfunk bereits im Einsatz - mit besten Erfahrungen, wie Weiß sagt. Er sieht den größten Vorteil, abgesehen von der Reichweite und der Zuverlässigkeit des Netzes, darin, dass die neue Technik Hintergrundgeräusche komplett ausblendet.

Ohne Zusammenarbeit geht es nicht mehr

In Zeiten, in denen die Tagesalarmsicherheit schwierig wird, setzt Kreisbrandrat Fredi Weiß auf verstärkte Zusammenarbeit bei den Feuerwehren: "Da ist schon unwahrscheinlich viel passiert. Es wird viel miteinander geübt, alarmiert und ausgerückt", stellt er erfreut fest. Er fügt aber gleich hinzu, dass man diese gemeinsamen Aktivitäten künftig noch massiv verstärken müsse.

Wohin die Reise geht, erklärt er am Beispiel der FFW Lintach. "Die haben eine gute Jugendarbeit" und einige 18-Jährige, die im Atemschutz ausgebildet werden: Dann könnten sie mit der Freudenberger Wehr ausrücken. "Wir brauchen nicht in jeder Feuerwehr Atemschutzgeräte", stellt Weiß klar - "die kosten einen Haufen Geld, in der Anschaffung und in den Folgekosten. Die Geräte reichen schon. Die Geräteträger unterm Tag reichen nicht." Deshalb seien Kooperationen unabdingbar.

Bei diesem Thema gibt die Kreis-Feuerwehr-Führung deshalb "Vollgas", wie Weiß klar macht: "Da rücken Winbuch und Emhof mit Schmidmühlen aus oder Wolfsbach mit Ensdorf. Weil's gar nicht mehr anders geht. Das forcieren wir." Vor allem bei Bränden sei dies im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtig. "Wenn's brennt und ich habe zu wenige Leute dabei, wird's kritisch." Zwar könne man zur Not ein Gebäudeteil aufgeben, wenn man zu wenige Kräfte habe, die löschen können. "Dann habe ich halt mehr Schaden."

Aber wenn Menschen aus einem brennenden Gebäude gerettet werden müssten und nicht genügend Atemschutzgeräteträger da seien - "das ist das Gravierendste, was dir passieren kann: Da geht's um Menschenleben." Im technischen Bereich, bei Verkehrsunfällen, seien Personalengpässe "nicht ganz so tragisch": "Durch die neue Ausrüstung, die wir haben, kann man das auch mit weniger Leuten machen. Mit ein paar Leuten und einem neuen Fahrzeug fahre ich jeden technischen Verkehrsunfall."

Viele Wehren haben an sich genügend Leute. Nur stehen die tagsüber nicht zur Verfügung, weil sie auswärts arbeiten. Weiß verweist hier gerne auf große Brandschutzübungen Freitagabend oder Samstagnachmittag: Dafür 70, 80 Leute zusammenzubekommen, sei kein großes Problem. Frage man dann aber in die Runde, wer von ihnen da wäre, wenn es Montagvormittag wäre, gingen nur wenige Hände hoch. "Das macht mir schon Sorgen", gesteht Weiß.
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