Dr. Friedrich Fuchs stellt den Barock am Beispiel von Sulzbach-Rosenberg vor
Man hat auch eine Gaudi gehabt

Ein Beispiel für den Barock: Der südliche Seitenaltar von St. Marien überstand sogar den Kirchturmeinsturz von 1691. Bild: A.Ascherl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.05.2015
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Rund um die Eröffnung des Simultankirchen-Radwegs hatte das Kulturamt der Stadt jetzt in den Seidel-Saal geladen. Die lokale Kirchenlandschaft zur Zeit des Barock stand - wie passend - im Fokus eines Bildervortrags: Schlusspunkt einer Veranstaltungsreihe im Vorfeld der Knorr-von-Rosenroth-Spiele 2015.

Peter Geiger, Vorstand der Seidel-Förderer und Organisator des Abends, freute sich über viele Gäste, die dem Regensburger Kunsthistoriker Dr. Friedrich Fuchs vom dortigen Diözesanmuseum lauschen wollten. "Was ist Barock?" Dieser Frage ging der Referent als Auftakt nach, passenderweise am Beispiel Sulzbach-Rosenbergs - einer nach Dr. Fuchs dafür prädestinierten Stadt.

Denn: "Hier tickten die Uhren seit jeher anders als in der übrigen Welt." Im positiven Sinn! Als Fundament der fulminanten Entwicklung im Barock präsentierte der Fachmann die Regierungszeiten Kaiser Karls IV. sowie der Pfalzgrafen Ottheinrich I. und Christian August. Letzterer habe mit seiner weitblickenden Toleranzpolitik "eine Geistesblüte sondergleichen" initialisiert.

Zunächst abschätzig

Sei der Begriff "Barock" zunächst abschätzig gebraucht worden, so habe er sich nach 1850 mühsam, aber erfolgreich zum Respektbegriff für die Epoche um 1650 bis 1775 gemausert. "Barock" habe Muße nicht nur für die Fürsten, sondern auch für die Bauern bedeutet. So zeigten die vielen Wallfahrten damals eine sakrale und eine weltliche Seite: "Man hat da auch Gaudi gehabt, und das war was Schönes" resümierte Fuchs.

Die ganzheitliche Ausstrahlung barocker "Gesamtkunstwerke" wie des Annabergs und seines Festes sei uns Menschen noch heute sympathisch. "Christian August wusste schon, was seinem Volk gut tut", so der Kunsthistoriker.

Aus der bewegten Geschichte der Stadtpfarrkirche St. Marien stellte Fuchs zunächst den südlichen Seitenaltar vor: ein Unikum, das (neben der Kanzel) den Kirchturmeinsturz von 1691 überlebt hatte. Ganz im Gegensatz zum Hochaltar, der 1710/11 nach einem "etwas altbackenen" Entwurf des Pfalzgrafen Theodor Eustach neu entstand. Hier kam die berühmte Künstlerfamilie Asam ins Spiel, ab 1708 in Sulzbach tätig.

Vater Hans Georg schuf 1711 das großartige "Mariä Himmelfahrt"-Gemälde, starb kurz darauf und wurde begraben im Friedhof bei St. Marien. Aus dem Schatz dieser Kirche stellte Dr. Fuchs auch eine Monstranz, einen Kelch und Messgewänder vor - wichtige Elemente des "Theatrum sacrum" prachtvoller Barock-Liturgie.

Auf die Spitze getrieben

Vom Annaberg erklärte Fuchs, wie dessen Baubestand das Gnadenbild "St. Anna Selbdritt" spiegelt: Die große Hauptkirche steht für Mutter Anna, die kleinere Loretokapelle ist Maria geweiht.

Ein apartes Detail zeigte der Kunsthistoriker aus einem Seitenaltar der Bergkirche: In seine Marmorierung sind Bleistiftzeichnungen "eingeschmuggelt", die aus der Distanz als Teil der Oberflächenstruktur erscheinen; beim näheren Hinsehen entdeckt man plötzlich originelle Darstellungen von Menschen, Tieren und Naturelementen. "Hier hat man den Barock auf die Spitze getrieben".

Seine reizvollen Einblicke in die lokale Kirchenkunst des 17. und 18. Jahrhunderts machten für einen Abend lang Barockkultur pur lebendig - zwischen Gaudi und Gebet.
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