Dreimal Pochen an der Pforte

Generalvikar Dr. Peter Beer (im Vordergrund) und Bischöflich Geistlicher Rat Dekan Walter Hellauer (rechts) pochten an die Pforte. Sie eröffneten so offiziell das Wallfahrtsjahr. Bild: thl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
14.04.2015
45
0

Die Eröffnung des Wallfahrtsjahres am Weißen Sonntag mit Öffnung der Wallfahrtspforte und Festmesse in der St.-Anna-Kirche hat Tradition. Sie bringt alljährlich eine große Zahl von Gläubigen auf den Heiligen Berg. Generalvikar Dr. Peter Beer (München/Freising) hat diesen Akt offiziell vollzogen.

Betend und in einer feierlichen Prozession, voran Kaplan Franz Becher in Begleitung von Bannern und Fahnenabordnungen der kirchlichen Verbände und Vereine, zog man zur Wallfahrtskirche St. Anna. Hier wurden die Gläubigen von Generalvikar Beer und Dekan Hellauer erwartet. Der Tradition folgend, pochte Beer zur feierlichen Öffnung der Wallfahrtspforte dreimal ans Portal.

"Des glaubst ja net"

Danach zelebrierten Beer, Hellauer und Becher die Festmesse. Musikalisch feierlich gestaltet wurde diese vom Chor und den Bläsern von St. Marien, unter der Leitung von Maria Boßle und Kirchenmusiker Steffen Kordmann an der Orgel.

"Des glaubst ja selber net" - das hätte Thomas aus dem heutigen Evangelium zu den anderen Jüngern wahrscheinlich gesagt, wenn er der bayerischen Sprache mächtig gewesen wäre. "Des glaubst ja selber net" - so sagt ein Bayer, um seinen größten Zweifel zum Ausdruck zu bringen, so begann Festprediger Beer. Solchen Zweifeln begegne der christliche Glaube in zunehmendem Maße. Viele Menschen könnten und wollten auch nicht mehr glauben, was der christliche Glaube zum Ausdruck bringe. Werde wirklich geglaubt, dass Jesus Christus in der Eucharistie in Brot und Wein real anwesend sei und es sich hier nicht nur um ein schönes Zeichen handle? Werde wirklich geglaubt, dass uns die Taufe real verändere und nicht nur Anlass für ein sehr traditionelles und schönes Familienfest sei? Die Antworten müsse jeder selbst wissen.

Aber es sei objektiv wahrnehmbar, so der Prediger: "Glaubenstraditionen brechen ab, was früher in Sachen Glauben selbstverständlich war, wird stark hinterfragt oder gar abgelehnt, und nicht wenige Eltern sind traurig, dass ihre erwachsen gewordenen Kinder sich vom Glauben entfernen, obwohl sie doch als Eltern sich immer wieder Mühe gegeben haben, sie christlich zu erziehen." Vor diesem Hintergrund könne einem schon Bange werden über die Zukunft des katholischen Glaubens und seiner Kirche.

Thomas in der Mitte

Jesus zeige deutlich: "Der Zweifler ist nicht der Verdammte, sondern er gehört als Zweifler zu denen, die Jesus liebt." Interessant sei das Verhalten der Jünger selbst - sie ließen Thomas in ihrer Mitte.

Er erhalte eine zweite Chance - auch wegen dieser Geduld der Jünger komme der Zweifler Thomas zu Glauben und zum klaren Bekenntnis: "Wir müssen den ungläubigen Thomas in uns selbst wahrnehmen und erkennen lernen und damit auch zugestehen: jeder von uns Menschen hat es immer wieder nötig umzukehren hin zu Jesus, jeder braucht es immer wieder, wie Thomas den Kontakt zu Jesus zu suchen."

In diesem Sinne habe die Wallfahrt auf den Annaberg ihre besondere Bedeutung: "In ihr bewegen wir uns wortwörtlich auf Jesus zu. Der Weg zur Kirche macht sinnlich erfahrbar, worauf sich unser ganzes Leben hin bewegen sollte, nämlich zum Herrn."

Am Ende dankte Hellauer dem Prediger: "Glauben möchstes net, hast du, lieber Peter, wahrscheinlich vor 25 Jahren auch gedacht, dass ich dich heute hier auf dem Annaberg als Generalvikar von München und Freising begrüßen darf." Nach dem Segen wurde das Anna-Lied gesungen.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.