Drohnen: Keiner ist unschuldig

Landrat Richard Reisinger reicht den Vertretern der US-Armee gerne die Hand zum gleichberechtigten Dialog. Wenn er mit ihnen über das Thema Drohnen spricht, kommt er sich nicht vor wie ein deutscher Politiker, der in China die Verletzung der Menschenrechte erwähnt hat: "Man kann mit ihnen durchaus darüber reden." Bild: wsb
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
07.01.2015
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Das Thema Drohnen war eigentlich schon durch, als aus heiterem Himmel im November eines dieser unbemannten Fluggeräte über dem Übungsplatz Hohenfels abstürzte. Die Sichtweise von Landrat Richard Reisinger auf das grundsätzliche Problem hat das aber nicht geändert.

"Hoffentlich ist nichts passiert", habe er sich zuerst gedacht, als er von dem Absturz der Shadow-Drohne erfuhr, erzählt Reisinger im Jahresgespräch mit der Amberger Zeitung. Und dann: "Was wäre wohl gewesen, wenn das in dem Flugkorridor über bebautem Gebiet geschehen wäre?" Auf der anderen Seite will Reisinger in der Debatte den Absturz nicht als ultimatives Argument gegen die Pläne der US-Armee gelten lassen: "Man muss sich eingestehen, dass es schon immer Unfälle gab, auch auf Bundeswehr-Übungsplätzen."

Und jeder Oberpfälzer wisse schließlich, was die Amerikaner hier machten: militärische Strategien erproben und trainieren. "Wir wollen aber nicht, dass es heimlich geschieht", nennt Reisinger eine Voraussetzung für gedeihliche Partnerschaft.

Insgesamt, so findet er, werden die Amerikaner ihrer Verantwortung schon gerecht. Die Kommunikation habe sich zuletzt deutlich verstärkt und gleichzeitig verbessert. "Ich erkenne das Bemühen der amerikanischen Vertreter vor Ort bis zum Generalkonsul um ein entspanntes partnerschaftliches Verhältnis." Da könne man über manche Sachen auch mal geteilter Meinung sein, das sei ja "unter unseren Landsleuten" genauso. "Wenn es mal Reibereien gibt, müssen wir das klären", signalisiert der Landrat umfassende Gesprächsbereitschaft unter Freunden.

Ohne die US-Armee stünde die Oberpfalz vor "ganz schönen strukturellen Herausforderungen", kennt Reisinger die wirtschaftliche Sichtweise, aber eine andere ist ihm wichtiger: "Wir brauchen die Amerikaner nicht nur, sie sind uns ausdrücklich erwünscht. Sie sind Teil unserer Geschichte." Er erlebe die US-Militärs auch nicht als ignorant, wie ein häufig gebrauchtes Vorurteil besage, sondern im Gegenteil als sehr interessiert. Zum Beispiel bei der Sicherung des Lebensraums der Fledermausart Große Hufeisennase im Übungsplatz Hohenfels; das liege den US-Verantwortlichen sehr am Herzen.

Die ethische Diskussion über den Einsatz von Drohnen, so findet der Landrat, könne im Übrigen längst nicht mehr nur auf die amerikanischen Verbündeten beschränkt werden: "Da sind wir auch bei der Bundeswehr nicht mehr unschuldig."

Wenn er im Landkreis unterwegs sei, werde er auf das Thema Drohnen "überhaupt nicht" angesprochen, sagt Reisinger. Derzeit empfinde er es "nicht unbedingt als hochbrisant".

Muss er wohl auch nicht: Die beiden Drohnen-Flugkorridore über dem Landkreis sind zwar eingerichtet, aber das Bundesverteidigungsministerium hat keine Fluggenehmigung erteilt, weil es die dafür erforderlichen US-Unterlagen nicht bekam. Also darf dort keine Drohne fliegen. Nach allem, was Reisinger weiß, "wird es wohl auch so bleiben".
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