Ebola-Fieber als großes Planspiel

Das St.-Anna-Krankenhaus ist für einen Ebola-Fall vorbereitet. Dazu gehört auch eine spezielle Schutzausrüstung, wie diese, die bei der jüngsten Schulung Probe getragen wurde. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.11.2014
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Nein, vor Ebola müssten sich Zivilpersonen in Deutschland nicht fürchten, sagt Dr. Thomas Rauner. Der Hygienebeauftragte des St.-Anna-Krankenhauses hat aber eine viel größere Sorge.

Dr. Thomas Rauner bemühte einen Vergleich, während er über das Thema Ebola sprach: "Wenn Sie als Autofahrer, der noch keinen Unfall hatte, unterwegs sind, schnallen Sie sich trotzdem an. Sie können ja nicht ausschließen, dass Ihnen ausgerechnet bei ihrer nächsten Fahrt jemand reinfährt." Aus diesem Grund nennt der Oberarzt die Vorbereitung für den Ebola-Ernstfall ein "großes Planspiel". Er sagt: "Es ist eine relativ gute Gelegenheit, 'Was-wäre-wenn-Szenarien' durchzuspielen."

Denn die Chance, dass es in der Herzogstadt einen infizierten Patienten gibt, sieht Dr. Rauner als äußerst gering an. Die Weltgesundheitsorganisation habe im August festgestellt, dass es sich beim aktuellen Ebola-Fieberausbruch in Westafrika um eine "gesundheitliche Notlage mit internationaler Tragweite" handle.

Der Oberarzt erklärt, dass man es bei Ebola mittlerweile mit einer völlig anderen Situation zu tun habe, als das in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war. "Das was wir bisher alles wissen, ist vielleicht nicht unbedingt Schnee von gestern, aber eine andere Preisklasse." Früher seien die Fälle lokal begrenzte Phänomene gewesen.

Kein Epidemie-Risiko

Dennoch ist sich der Hygienebeauftragte sicher: "Ich zweifle nicht an der Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, dass es in Deutschland kein Epidemie-Risiko gibt. Das gibt es nicht. Als Privatperson braucht man sich auch weiterhin nach meiner Überzeugung keine Sorgen zu machen." Für den Oberarzt sei es aber natürlich ein Thema, wenn es zu Toten im Gesundheitswesen kommt. "Das bedeutet für die Gesamtbevölkerung keinen Unterschied - für mich aber einen erheblichen." Dr. Rauner sagte außerdem: "Meine sehr viel größere Sorge ist nicht der Ebola-Patient selbst, sondern die Verdachtsfälle, die sich hinterher als unbegründet herausstellen." Je nachdem, wie verunsichert die Bevölkerung reagiere, könnten Leute im Krankenhaus auftauchen. "Ich rechne mit Verdachtsfällen, die aber unter anderen Erkrankungen leiden werden", betonte der Oberarzt nochmals.

Ein vermeintlich Ebolakranker kam bereits ins St.-Anna-Krankenhaus. Dieser Verdacht stellte sich aber "relativ schnell als unbegründet heraus". So etwas könne immer wieder vorkommen. Der Oberarzt erklärte: "Es ist unser täglich Brot, solche unbegründeten Verdachtsfälle zu identifizieren."
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