Ehebruch: Ohr ab oder ins Moor

"Frauenleben im Mittelalter" brachte Birgit Simmeth (Zweite von rechts) einem großen Kreis von interessierten Besuchern nahe. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
26.09.2015
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Gehen Ehemänner fremd, bekommen sie eine Geldstrafe. Tun ihre Frauen dies, werden ihnen Nase oder Ohren abgeschnitten oder sie werden im Moor versenkt. Nein, heute ist das natürlich nicht mehr der Fall, wohl aber ging es mancher Frau so im Mittelalter. Dass "Frauenleben im Mittelalter" kein Zuckerschlecken war, zeigt die gleichnamige Ausstellung im Stadtmuseum.

Es sind nicht nur Frauen, die in der Seniorenaktionswoche im Museum an einer Führung durch die Sonderausstellung teilnehmen. Dass weibliche und männliche Besucher aber teilweise unterschiedliche Interessen haben, zeigt sich an Fragen wie "Was hat das gekostet?" beim Thema Prostitution im Mittelalter. Diese Frage kann Birgit Simmeth nicht beantworten, wohl aber weiß sie die Lebensumstände der Frau im Mittelalter anschaulich und interessant zu schildern.

Die kleinere Hälfte

Auf 14 Texttafeln hat die Kunsthistorikern Dr. Alice Selinger dargestellt, wie Frauen im Mittelalter gelebt haben. Als "kleinere Hälfte vom Mann", so Birgit Simmeth, galten die Frauen damals, unterstanden erst dem Vater, dann dem Ehemann und mussten sich von Kirchenmännern sagen lassen: "Alles Böse stammt von der Frau." Besonders schwer hatten es Frauen auf dem Land, Bäuerinnen und Mägde, die hart arbeiten mussten, kaum aus dem Kindbett herauskamen, jeden zweiten Säugling verloren und auch selber jung starben.

Über Land gezogen

Erst in den aufblühenden Städten des späten Mittelalters taten sich den Frauen neue Möglichkeiten auf. "Sie betrieben Krämerläden, arbeiteten in vielen Handwerken oder zogen als Hökerinnen mit ihren Produkten über Land", weiß die Museumsführerin. Dass Frauen auch für das Bierbrauen zuständig waren und - anders wie heutzutage - Kräuter und Gewürze wie Anis oder Kreuzkümmel in den Sud kamen, schockiert männliche und weibliche Besucher gleichermaßen.

Ehen wurden im Mittelalter arrangiert, beim Adel ebenso wie auf dem Lande. Birgit Simmeth verweist auf Berta von Sulzbach, die durch Heirat Kaiserin von Byzanz geworden ist. Dass Ehebruch auch damals nicht unbekannt war, die Strafen dafür vor allem für Frauen drakonisch, zeigt den Stellenwert der "kleineren Hälfte vom Mann". Es gab erfahrene Hebammen im Mittelalter, und man weiß von 15 Ärztinnen, die sogar an Universitäten ausgebildet worden sind.

Kräuter und Gewürze

Empfängnisverhütung durch bestimmte Kräuter und Gewürze war im Mittelalter nicht unbekannt. "Wissen war da, ist aber später verloren gegangen", bedauert Simmeth und verrät schmunzelnd, dass ein Rezept dafür ausgerechnet in einem Kloster gefunden wurde. "Die Klöster waren reich, Zentren der Bildung, in denen vor allem adelige Frauen lebten und es oft mit den Geboten von Armut und Keuschheit nicht so ernst nahmen."

Eine Gegenbewegung dazu wurden die Beginenhöfe, Klöster in denen auch nicht adelige Frauen aufgenommen wurden, die kein Gelübde ablegen mussten und auch heiraten durften. "Später aber wurden sie Ketzerinnen genannt", so Birgit Simmeth, "das war das Ende der Beginenzeit."

Mystikerinnen wie Hildegard von Bingen oder Elisabeth von Thüringen, hoch angesehene Frauen, die als "Sprachrohr Gottes" bezeichnet wurden oder die Dirnen mit gelben Bändern am Kleid oder roten Kappen, sie alle sind Frauen des Mittelalters. Wobei letztere zum Alltag gehörten, toleriert wurden, teilweise auch von der Kirche. "Der Vater ist mit dem Sohn vor der Hochzeit ins Frauenhaus gegangen", erklärt die Museumsführerin die damaligen Bräuche.

Dank für Zeitreise

Längst vergangene Zeiten - die meisten Teilnehmer der Führung im Stadtmuseum bedauern wohl nicht, dass Frauenleben heute anders aussieht. Herbert Göth vom Seniorenbeirat der Stadt dankte der für die erkrankte Museumsleiterin Edith Zimmermann eingesprungenen Birgit Simmeth für ihre interessante Zeitreise ins Mittelalter und die Begegnung mit den Frauen dieser Zeit.
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