Ehepaar Schötz liest aus dem Briefwechsel zwischen Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeier
Ergreifende Korrespondenz aus übler Zeit

Das Ehepaar Schötz brachte Bonhoeffers Briefe den Gästen näher. Bild: gac
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.04.2015
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Vor 70 Jahren wurde der evangelische Wiederstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer nach einem Scheinprozess in Flossenbürg hingerichtet. Zu dem Zeitpunkt war er zwei Jahre in verschiedenen Gefängnissen gesessen. Er war aber auch seit etwas mehr als zwei Jahren verlobt. Die Briefe, die Bonhoeffer und Maria von Wedemeier einander während dieser Zeit schrieben, gehören zu den anrührendsten Zeugnissen der letzten Lebensjahre Bonhoeffers.

Schreiben einziger Kontakt

Der mehr als volle Saal der katholischen Pfarrei St. Marien bewies, dass der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer heute evangelischen und katholischen Christen etwas zu sagen hat. Siegfried Kratzer, Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks Amberg, trug zunächst die Geschichte der "Brautbriefe" vor. Bonhoeffer lernte Maria von Wedemeier bei ihrer Großmutter kennen und verliebte sich sofort. Da Wedemeiers Mutter wegen des großen Altersunterschiedes (sie 18, Bonhoeffer 36) die Verbindung zunächst nicht billigte, erlegten sie sich ein halbes Jahr Wartezeit auf, so dass Bonhoeffer schon im Gefängnis war, als sie sich das nächste Mal sahen. Sie konnte ihn danach noch mehrfach besuchen, aber vor allem konnten beide etwa alle zwei Wochen schreiben. Ein Teil dieser Briefe ist erhalten, der evangelische Dekan Karlhermann Schötz und seiner Frau Heidrun trugen sie vor.

Zu Beginn der Haft sind die Briefe sehr optimistisch, dass die Prüfung bald ausgestanden ist. Beide schreiben über Musik und die gemeinsame Zukunft. Sie berichtet auch über die Familie und ihre Lebensumstände, er wegen der offiziellen Mitleser nur sehr pauschal über seine Haftbedingungen. Je länger die Haft Bonhoeffers dauerte, desto wichtiger wird beiden der Trost durch den Glauben an Jesus Christus. Die Wartezeit sehen sie als Prüfung und als Geschenk Gottes, das ihre Verbindung enger und bedeutsamer macht.

Das Ehepaar Schötz las die Briefe sehr gut artikuliert, aber etwas distanziert, wie zwei Menschen, die versuchen müssen, ihre innersten Gefühle unter Zeugen mitzuteilen. Musikalisch stimmig umrahmt wurde die Lesung von Schülern der Berufsfachschule für Musik.

Die Zelle simuliert

In den letzten Briefen scheint gelegentlich eine Verzweiflung durch, die sich beide nicht gestatten wollen. In ihrer Sehnsucht malt Wedemeier einen Kreidestrich in der Größe von Bonhoeffers Zelle um ihr Bett, um sich sein Leben hinter Gittern vorstellen zu können. Im Weihnachtsbrief des Jahres 1944, seinem letzten, schreibt Bonhoeffer das tröstende Gedicht "Von guten Mächten wunderbar geborgen", das evangelische und katholische Christen heute als Kirchenlied singen.

Kaplan Franz Becher dankte im Namen der katholischen Pfarrei St. Marien dem evangelischen Bildungswerk und dem Ehepaar Schötz für die ergreifende Lesung. Interessierte konnten Schriften von Bonhoeffer an einem Büchertisch der Buchhandlung Dorner erwerben.
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