Ein Abend über jüdische Kultur: Humor, aber auch beklemmende Momente
Schmonzes und Chuzpe

Das Münchner Klezmer-Trio mit Thilo Jörgl (Schlagzeug), Zarko Mrdjanovs (Gitarre) und Florian Ewald (Klarinette) sowie Christian Jungwirth (rechts) präsentierten in der Synagoge zwei Aspekte der jüdischen Kultur: den Humor und die Musik. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.02.2015
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Noch immer empfinden viele Leute Unbehagen gegenüber Juden, aber auch eine fast unanständige Neugier. Diese Neugier konnte am Wochenende in der ehemaligen Synagoge wenigstens teilweise befriedigt werden. Unter dem Titel "Schmonzes und Chuzpe" präsentierten das Münchner Klezmer-Trio und der Schauspieler Christian Jungwirth zwei Aspekte der jüdischen Kultur, nämlich den Humor und die Musik.

Selbstironie als Waffe

Schmonzes ist das jiddische Wort für albernes Gerede, und Chuzpe bedeutet Unverschämtheit. Beides kam in der Lesung nicht vor. Jungwirth präsentierte vielmehr unterschiedlichste Spielarten des jüdischen Humors. Dieser sei in den Jahrtausenden der Verfolgung und Diskriminierung entstanden, erklärte Jungwirth, "denn der Witz ist die Waffe des Wehrlosen, der sich nicht widersetzen darf. Wer immer in der Minderheit ist, lernt Selbstironie". Der Sprecher erzählte keine Witze, sondern präsentierte Texte aus ganz verschiedenen Zusammenhängen. Da gab es überlieferte Geschichten aus dem Schtetl, eine Glosse von Kurt Tucholsky, eine Satire von Ephraim Kishon und auch Erzählungen aus dem heutigen England.

Gewürzt wurde das Ganze mit Seitenhieben auf Amerikas Juden. So gibt es in den USA "jüdische Prinzessinnen". Das sind Mädchen, die nur mit Ach und Krach ihren Schulabschluss geschafft haben, aber hochqualifizierte Expertinnen darin sind, Papas Geld auszugeben. Leider gab Jungwirth bei den literarischen Texten selten Titel und Autor an. Dabei würde sich der eine oder andere Zuhörer sicher gern näher mit diesen Werken beschäftigen.

Das wäre vor allem bei einem Text nötig, der von einem Trainingscamp im heutigen Israel erzählt, in dem die jüngere Generation die Gestapo- und KZ-Erlebnisse ihrer Eltern und Großeltern nacherleben. Das war so beklemmend und verstörend, dass mehrere Personen die Veranstaltung verließen. Hier stellte sich die Frage, was Humor ist. Jungwirth las die Texte nicht einfach vor. Er spielte und lebte sie, kostete die komischen Höhepunkte aus, zelebrierte alle Absurditäten und ließ die Witze funkeln. Wenn er sehr dramatisch wurde, litt allerdings manchmal die Verständlichkeit.

Lieder voller Schmerz

Jungwirths Lesung wurde vom Münchner Klezmer-Trio ergänzt. Die Band ließ eine Musik aufleben, die in Europa vernichtet wurde. Manche Stücke waren fröhlich und schwungvoll. Hier schien die Lebenslust überzusprudeln. Dann wieder, abgestimmt auf die Texte, klang das Ensemble sehnsüchtig und melancholisch. Es erklangen Lieder voller Schmerz. Thilo Jörgls sorgfältig dosiertes Schlagzeug, Zarko Mrdjanovs kraftvolle Gitarre und Florian Ewalds sehr variable Klarinette spiegelten das jiddische Leben wieder. Die Musiker jauchzten, sangen, klagten und kreischten auch gelegentlich. Und die Zuhörer wippten mit den Füßen zu den balkanisch-osteuropäischen Klängen. Es war mitreißend. Kräftiger Applaus!
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