Ein Flug in die Freiheit

Werner Götz ist heute noch bewegt, wenn er von seinem Erlebnis in einem Flugzeug am 2. November 1989 erzählt. Aus dieser Zeit hat er auch noch Unterlagen, die ihm als Gedächtnisstütze dienen. Bild: doz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
16.10.2014
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Eigentlich war Werner Götz nur zu einem Kundengespräch unterwegs. Was er dann in einem Flugzeug erlebte, war nicht nur bewegend, sondern sogar ein Stück Geschichte.

Die Wende war für den Sulzbach-Rosenberger Werner Götz schon Monate vor dem 9. November 1989 ein Thema. Während er für die Maxhütte arbeitete, baute er für dessen größten Kunden eine Zweigniederlassung einer Röhrenhandelsfirma in Dresden auf. Götz suchte in Ostdeutschland nach einer geeigneten Halle und stellte Mitarbeiter ein.

Denn der Besitzer der Röhrenhandelsfirma richtete seinen Blick in die Zukunft und sagte zu Götz: "Es kommt die Wende, wir müssen etwas tun." Der Sulzbach-Rosenberger fuhr in Ostdeutschland über gepflasterte Autobahnen und sprach von einem "verheerenden Anblick". Dennoch habe er bei den Männern und Frauen vor Ort eine Aufbruchstimmung ausgemacht: "Die Menschen haben nur gehofft: auf die D-Mark und auf die Wiedervereinigung."

"Unheimliche Stille"

Wie nahe die Wende rückte, erfuhr Götz am 2. November 1989, also knapp eine Woche vor dem Mauerfall. Er weiß es so genau, weil er seine Kalender damals regelmäßig pflegte. Als Götz an diesem Tag für ein Kundengespräch von Nürnberg nach Berlin flog, herrschte eine seltsame Stimmung: "Die Menschen waren kaputt und ruhig. Es war eine unheimliche Stille." Zu dieser Zeit ist der Sulzbach-Rosenberger viel geflogen. Normalerweise hätten die Passagiere viel miteinander geredet. Nicht aber an diesem Tag.

Götz saß in einer mit geschätzten 200 Passagieren besetzten Maschine. Wie er später erfuhr, waren 95 Prozent Ostdeutsche an Bord. Kurz vor der Landung in Berlin habe sich der Pilot wie üblich verabschiedet. Der letzte Satz lautete allerdings: "Und unseren neuen Mitbürgern der Bundesrepublik wünschen wir alles Gute und viel Glück." Daraufhin habe es einen Aufschrei gegeben: "Es brach ein nicht zu beschreibender Freudentaumel aus." Es habe so geklungen, als hätten die Menschen es jetzt erst in die Freiheit geschafft.

Aus der Botschaft

Ein junger Mann erzählte Götz, dass die jubelnden Männer und Frauen aus der Prager Botschaft über Dresden nach Bayern gekommen waren und anschließend in Berlin bei Freunden, Bekannten oder Verwandten unterkamen. Götz ist heute noch beeindruckt: "Es war so bewegend."

Bald darauf arbeitete Götz in Dresden. Er sagt: "Meine Mitarbeiter waren wunderbare Menschen. Die Leute waren wissbegierig, einsatzbereit und mehr als arbeitswillig."
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