Ein ganz reales Streitthema

Es ist gefährlich, aus durchaus auch populistischen Gründen Begehrlichkeiten in der Öffentlichkeit zu wecken, die nicht realistisch sind.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.04.2015
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Sind bei der Diskussion um eine eigene Realschule in Hirschau die Fronten schon so verhärtet, dass keiner mehr nachgeben kann, weil sonst sein Ruf beschädigt ist? Landrat Richard Reisinger scheint die Gefahr zu sehen, betonte im Kreistag aber auch: "Es muss niemand sein Gesicht verlieren."

Reisinger erläuterte am Montag, man habe in der Vorwoche ein umfangreiches Zahlenwerk ans Kultusministerium geschickt, verbunden mit der Bitte, alle diskutierten Varianten zu prüfen - ohne Vorgabe einer Kommune, die am besten als Realschulstandort geeignet wäre. "Das Kultusministerium muss uns das genehmigen, sonst geht gar nichts", bemerkte Reisinger zum Ablauf. Wichtig war ihm zudem, dass eine Realschule auch Realschullehrer brauche. "Die Kinder können nicht übergangsweise von anderen Lehrern unterrichtet werden."

Die einstündige Debatte im Kreistag brachte nicht viele neue Gesichtspunkte hervor. Die Redner aus Sulzbach-Rosenberg hoben einhellig die Qualitäten der Walter-Höllerer-Realschule hervor - die schließlich einstimmig beschlossene Sanierung ihres Altbaus und der Turnhalle war der Tagesordnungspunkt, an dem sich die Diskussion entzündete.

Argumente für einen Realschulstandort Hirschau waren:

- eine Außenstelle in Hirschau könnte eine Stärkung der Höllerer-Realschule sein (Peter Dotzler, FW)

- Buswartezeiten von in der Summe bis zu zwei Stunden sind den Kindern nicht zuzumuten (Reinhold Strobl, SPD)

- ein besseres Bildungsangebot hält junge Familien in der Region (Reinhold Strobl, SPD)

- eine Realschule in Hirschau ist auch ein Anliegen der Eltern, das ernst genommen werden muss (Winfried Franz, SPD).

Die Gegenargumente lauteten:

- in Sulzbach-Rosenberg sind die Kapazitäten vorhanden, während die Mehrhäusigkeit bereits an der Schönwerth-Realschule enorme Probleme bereitete (Michael Göth, SPD)

- es ist gefährlich, "aus durchaus auch populistischen Gründen Begehrlichkeiten in der Öffentlichkeit zu wecken, die nicht realistisch sind" (Dr. Patrick Fröhlich, CSU)

- wenn die Schülerzahlen an einer Realschule Hirschau für den östlichen Landkreis selbst im Optimalfall nur zwischen 259 und 308 liegen, dann ist das zu wenig, da man die Eltern aus den vom Aufnahmestopp betroffenen Gemeinden angesichts fehlender Sprengel nicht zwingen kann, ihre Kinder dort in die Schule zu schicken (Hans Pickel, FWS/FDP)

- Qualität bekommt man nur in größeren Einheiten (Dr. Martin Pöllath, FWS/FDP). (Zitate)
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