Ein Gerippe und viel Philosophie

Dekan Karlhermann Schötz (links neben dem Skelett) mit den Mitwirkenden am Festgottesdienst zum Männersonntag Andreas Weber, Hans-Werner Pilhofer, Gerhard Sehnke, Karl-Heinz Herbst, Günter Haller und Günter Schultheiß (von links). Bild: awb
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.10.2014
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Das Jahresthema für die evangelische Männerarbeit in Bayern ist außergewöhnlich: "Männer, Körper, Leben". Mindestens genauso außergewöhnlich war aber ein Gottesdienst zum Männersonntag.

In einem Spiel diskutierten Gott, verkörpert von Karl-Heinz Herbst, und die Weisheit (Hans-Werner Pilhofer), über den Körper, der sehr eindrücklich von einem Skelett dargestellt wurde. Während Gott den Körper herrlich findet und froh darüber ist, dass er sterblich ist, bemängelt die Weisheit den schmerzenden Rücken und die knirschenden Knie. Wunderbar sei aber die unsterbliche Seele.

Zeichen des Lebens

Andreas Weber, der 2. Vorsitzende des Männerbunds, las aus dem 2. Brief des Paulus an die Korinther. Hier heißt es in Kapitel 12 Vers 9-10: "Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig, denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark." Diesen Gedanken thematisierten die Kirchenvorsteher Günter Haller und Günter Schultheiß im zweiten Stück. Im Alten Testament werde zwar immer wieder die Schönheit von Männern gepriesen, aber die Falten und Narben seien Zeichen des Lebens, man solle das Wunder des Lebens auch im eigenen Leib erkennen. Dekan Karlhermann Schötz, der Vorsitzende des Männerbunds, überlegte in seiner Predigt, ob man sich auch beim Älterwerden als "wunderbar gemacht" erlebe oder ob der Mensch nicht an Grenzen stoße. Während sich Frauen schon länger mit ihrem Körper beschäftigen, sei das bei Männern erst seit kurzem zu beobachten. Der neue Mann sei "clever, stark und vital und das darf man ihm auch ansehen", stellte der Dekan fest. "Bewegung, Sport und Fitness in vernünftigem Maß sind ja auch gut für Körper und Seele." Aber wie viel Abweichung vom Idealbild hält man aus? Auch Männer haben diese Selbstzweifel. Dem Prediger war es wichtig, Menschen in der Leistungsgesellschaft zu ermutigen und auch Schwäche oder Krankheit nicht auszublenden.

Verletzungen und Narben

Wenn der Psalmbeter dankt, dass er wunderbar gemacht ist, dann ahnt er, dass sein Leben in Gottes Hand liegt, dass Leib und Seele untrennbar zusammengehören: "Der Mensch hat keinen Körper, er ist Körper. Und darum bedarf der Körper unserer Aufmerksamkeit und unseres Respekts." Die Erfahrungen im Leben seien in den Körper eingezeichnet.

In den Worten von Psalm 139 begegne man seinem eigenen kraftvollen und zugleich bedürftigen Leib, einem sehnsüchtigen Menschen, mit Verletzungen und Narben, mit Würde und Schönheit. Der Dekan schloss: "Ich begegne einem Menschen, der - auch wenn es manchmal tief verborgen ist - wunderbar gemacht ist."

Im letzten Spiel stellten Gott und die Weisheit fest, dass der Mensch zwar unvollendet ist, aber gut. Wäre er vollkommen und unverwundbar, "das wäre nicht auszuhalten". Auch mit morschen Knien und krummem Rücken sei er "wunderbar gemacht".
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