Ein Jesus für die Jackentasche

Anton Leiss-Huber, ein waschechter Altöttinger, hat seinen ersten Kriminalroman im Gnadenort rund um die berühmte Schwarze Madonna angesiedelt. Einige Mitbringsel von dort stellte er zur Deko aufs Lesepult. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
18.07.2015
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Das Glockenläuten vom nahen Kirchturm passte perfekt zur Handlung. Denn bei der Lesung im Kulturstadl der Buchhandlung Volkert ging es um Altötting. Dass in dem Wallfahrtsort nicht nur gebetet, sondern auch gemordet wird, beschreibt Anton Leiss-Huber in seinem ersten Krimi "Gnadenort".

Buchhändler Ralf Volkert stellt die Verbindung her vom Gnadenort Altötting zur beginnenden Festwoche auf dem Annaberg, schränkt aber ein: "A Leich hat's am Annaberg bisher noch nicht geb'n." Dass die Protagonisten des Buches, aus dem der Autor liest, aber auch hierzulande anzutreffen sind, wird den Zuhörern im voll besetzten Stadl bei so manch humorvoll beschriebener Episode klar.

Anton Leiss-Hubers Lesung wird zum Hörspiel. Das Multitalent ist ausgebildeter Tenor und Schauspieler. Er erweckt die Figuren seines Buches mit Stimme, Mimik und Gestik zum Leben. Ob die alte Pfarrhaushälterin Schosi, die Devotionalien-Händlerin Traudl Unterprammer oder der Ex-Minister Kramer, dessen Ähnlichkeit mit dem "echten" bayerischen Politiker Gerold Tandler durchaus gewollt ist - sie alle zeichnet er liebevoll, witzig, ironisch, oft auch ein wenig boshaft.

Neid, Lügen und Intrigen

In seinem Krimi-Debüt beschreibt er das erzkatholische Altötting, in dem "Neid, Lügen und Intrigen an der Tagesordnung sind", wo "mit dem Glauben Geschäfte gemacht werden" und es sogar zu einem Mord kommt - warum und wie, wird natürlich nicht verraten.

Einige Kuriositäten so eines "Gnadenortes" hat er auf dem Lesepult vor sich aufgebaut: die schwarze Wetterkerze, die "umgetauscht werden kann, wenn sie nicht funktioniert", die Plastik-Madonna, in die man Weihwasser vom Bruder-Konrad-Brunnen füllen kann oder den hohlen Jesus am Kreuz, "der in jede Jackentasche passt".

"Religiöses Disneyland"

Die handelnden Personen seines Buches sind allesamt Menschen mit Stärken und Schwächen: der heimwehkranke Kommissar Max Kramer, seine Ex-Freundin, die jetzt Nonne ist und Maria Evita heißt, das bärbeißige Fräulein Schosi, das "ihrem" Stadtpfarrer Monsignore Hirlinger argwöhnisch nachspioniert, die Devotionalien-Händlerin, deren Laden "Ähnlichkeit hat mit einem religiösen Disneyland". Sie alle leben in der Stadt Altötting, aber genauso gut könnten sie an bald jedem Ort zu finden sein. "Des ist fei wirkle so", hat eine 94-jährige Leserin dem Autor bescheinigt.

Herrliche Texte legt Leiss-Huber seinen Figuren in den Mund. "Die Kirche ist ein Service-Unternehmen und muss ab und zu ihre Schalteröffnungszeiten ausdehnen", verteidigt der Monsignore den späten "Beicht-Besuch" der Postwirtin. Oder wenn Maria Evita bekennt, sie habe beim Eintritt ins Kloster einen beachtlichen Teil ihres Wortschatzes, sprich Kraftausdrücke, streichen müssen. Der Kommissar Max Kramer wiederum hält wenig vom Besuch der Messe und meint: "Nix gegen Gott, aber es ist sein Fanclub, der mich aufregt". Auch eine Oberpfälzer Pilgergruppe kommt ins Spiel, die, ein wenig alt und schwerhörig, in der Stiftskirche das Mittagessen beim Postwirt kommentiert.

Und dann brennen den Besuchern der Messe die Augen; möglicherweise vom geweihten Wasser. Der alte Bichler röchelt und bricht auf dem Steinboden der Kirche zusammen. "Er hat ein erfülltes Leben gehabt", tröstet der Monsignore Hirlinger die Witwe. Und im Buch heißt es: Bei dieser einen Leiche soll es nicht bleiben.

Anton Leiss-Huber hat Spannung aufgebaut und nicht zu viel verraten. Das tat dem Verkauf seines Buches gut, viele der Besucher wollten wissen, wie es weitergeht.
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