Ein Pony und sein Schicksal

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.04.2015
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Das kleine Pferd hat nur noch drei Zähne, ist im biblischen Alter von 31 Jahren und wird auf einer Koppel im südlichen Landkreis gehalten. Muss es dauerhaft Schmerzen erdulden? Der Fall ist zu einer Art Dauerbrenner bei der Justiz geworden.

Es ging um 750 Euro Strafe. Die wollte ein Landwirt nicht zahlen und wandte sich mit seinem Einspruch an das Landgericht. Dort marschierten nun erneut zahlreiche Zeugen auf, darunter drei Veterinäre. Auf ihre Einschätzung der Sachlage kam es maßgeblich an. Interessant dabei: Die Bewertungen unterschieden sich.

Der auf der Anklagebank sitzende Landwirt behauptete: "Das kleine Pferd hat bei uns seit 31 Jahren den Himmel auf Erden." Altersgemäßes Futter, eine ungedüngte Wiese, freier Auslauf. Außerdem: Der erklärte Liebling seiner betagten Mutter. Schon im Vorfeld versuchte der Strafkammervorsitzende Gerd Dreßler die Dinge zu ordnen. Allein schon wegen des erneuten Prozessaufwands. Parallel dazu aber auch, weil ihm das Wohl des Pferdes am Herzen lag. "Die Staatsanwaltschaft würde einer Einstellung des Verfahrens zustimmen, wenn das Pony auf einen Gnadenhof käme", sagte Dreßler zum Angeklagten. Doch der 47-Jährige mochte einem solchen Angebot nicht zustimmen: "So etwas würde meiner Mama das Herz brechen."

Himmel auf Erden? Noch bevor die Verhandlung richtig startete, wurde ein Sachverständiger gefragt. Seine Meinung: "Von guter Pflege spricht der Ponybesitzer. Jeder objektive Außenstehende sieht es anders." Weshalb? Das Tier leidet seit jeher an einer Fehlstellung der Vorderläufe. Sie zu beheben, gäbe es nur die kostspielige Möglichkeit einer fachkompetenten Therapie oder aber, falls es dafür zu spät sei, das Einschläfern des Pferdes. Weder das eine noch das andere mochte der Bauer in Betracht ziehen.

Die Einstellung des Verfahrens hatte Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier davon abhängig gemacht, dass "der Angeklagte Reue zeigt und Schritte unternommen werden, die dem Wohl des Tieres dienen." Doch der Landwirt blieb dabei: "Das Pony hat es seit 31 Jahren gut bei uns."

Eine Tierschützerin aus dem Raum Schwandorf hatte Anzeige gegen den Bauern erstattet und damit ein Verfahren in Gang gebracht. Als nachgesehen wurde, offenbarte sich: Das Pony kam mit schnabelartigen Hornauswucherungen an den Vorderhufen daher. Sie sollen, so der anschließende Vorwurf, immer wieder einmal von dem Landwirt abgesägt worden sein. Das habe dann wohl noch zu einer Verstärkung der durch die Fehlstellung der Vorderhufe ohnehin bereits vorhandenen körperlichen Pein bei dem Pferd gesorgt.

Schmerz kann chronisch werden. Die Frage lautete deswegen nun auch in der Berufungsinstanz: War und ist das bis heute auf seiner Koppel lebende Pony dadurch beeinträchtigt? Für den Landwirt eher von untergeordneter Bedeutung, von der Justiz nicht beweiskräftig zu klären.

Der Bauer argumentierte: "Von Beginn an ein Gnadenbrotpferd. Aber mir und meiner Mutter ist es ans Herz gewachsen." Keine Sympathie zeigte der 47-Jährige für den Sachverständigen. Der Veterinär sei Mitglied im Tierschutzverein, sagte er und lehnte ihn deswegen ab. Die Strafkammer war anderer Ansicht. Das, argumentierte Richter Dreßler, spiele nun wirklich gar keine Rolle. Der Berufungsprozess dauerte über vier Stunden. Am Ende verwarf die 3. Strafkammer den Einspruch des Landwirts. Er muss nun 750 Euro zahlen.

Tier bleibt auf dem Hof

Der Erstrichter hatte sich in seinem Urteil nur auf einen einzigen Vorgang des unsachgemäßen Hufbeschneidens bezogen. Die Gesamtsituation des betagten Pferdes war dabei außen vor geblieben. Das bleibt sie auch nach der Entscheidung in zweiter Instanz. "Ich kann ihm das Pony ohne seine Zustimmung nicht wegnehmen", äußerte Oberstaatsanwalt Dr. Strohmeier am Rande der Verhandlung. Allerdings wird der Bauer damit rechnen müssen, dass die Veterinärbehörde immer wieder einmal vorbeikommt, um nachzuschauen, wie es um die Pflege des Vierbeiners bestellt ist.

In der Berufungsverhandlung hatte der aus Baden-Württemberg angereiste Sachverständige davon berichtet, dass er eine Klinik für Pferde geleitet habe. Dabei sah er nach eigenem Bekunden viele verwahrloste Tiere. Daraus resultierte die Feststellung: "Das aber, was in diesem Fall vorliegt, ist selten."
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