Ein Tabu ist jetzt keines mehr

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.12.2014
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Gewalt gegen Frauen findet meist in den eigenen vier Wänden statt. Ein Tabu unserer Gesellschaft. Mit der Wanderausstellung "Blick dahinter" bricht die Bayerische Staatsregierung jetzt diese Mauer des Schweigens. Zu sehen ist sie bis 19. Dezember im Beruflichen Schulzentrum.

(lz/bba) "Wir befinden uns gerade in der dunklen, der staaden Jahreszeit, die wie geschaffen dafür ist, harmonische Stimmungen einzufangen." Diese Zeit sei jedoch auch gefährlich, wenn sich die Atmosphäre im Umfeld weniger glücklich und gelungen gestalte. Und manchmal eskaliert die Situation in Gewalt. Schulleiter Reinhard Kretschmer fand bei der Eröffnung der Ausstellung "Blick dahinter - Häusliche Gewalt gegen Frauen" im Beruflichen Schulzentrum deutliche Worte.

Bis 19. Dezember zu sehen

Ein heikles Thema werde damit an die Öffentlichkeit gebracht, das sich durch alle Schichten und Altersgruppen ziehe. Kretschmer betonte dass es wichtig sei, in schwierige emotionale Vorgeschichten hineinzuschauen, um gegebenenfalls entgegensteuern zu können. Die Ausstellung kann bis zum 19. Dezember von Schulklassen besucht werden. Christine Gunesch vom "Notruf für Frauen" und Mädchen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) erläuterte den jungen Erwachsenen zunächst die Aufgabenbereiche des Notrufes und der Beratungsstelle, die unter den Rufnummern 09621/22200 (rund um die Uhr besetzt) und 09621/48720 erreichbar seien. Zielgruppe dieser Hilfsangebote seien vor allem Frauen und Mädchen ab 16 Jahren, die von seelischer, körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen seien.

Gunesch erklärte das breite Spektrum der massiven negativen Erfahrungen von Drohungen und Schlagen über ständige Kontrolle oder Kritik bis hin zu sexuellen Erniedrigungen und dem Zwingen zu sexuellen Handlungen. Die Dynamik im Kreislauf der Gewalt zeige sich im Spannungsaufbau, dem Gewaltakt und der angebotenen Wiedergutmachung, die aber nicht immer eingehalten werde, oft aber zum Rückzug der Anzeige in der versuchten Versöhnungsphase führe. Besondere Risikofaktoren seien dabei Gewalt im Elternhaus, Arbeitslosigkeit, Trennungen, Alkohol oder auch Behinderungen.

1000 Beratungsgespräche

Das Notruf-Team habe im vergangenen Jahr 250 Klientinnen betreut und über 1000 Beratungsgespräche geführt. Die erlebte Gewalt wirke sich aus und zeige sich beispielsweise durch einen sozialen Rückzug, Essstörungen, Suizidgedanken, Vertrauensverlust oder Angst. Die Folgen der Gewaltexzesse würden sich durch Bedrohungsphasen, eine geringe Frustrationstoleranz oder eine Reduzierung der körperlichen Widerstandskräfte zeigen und können auch zu einer erheblichen Erschwernis bei künftigen Partnerschaften führen.

Die Möglichkeiten der Hilfen seien breitgefächert und reichen vom Schutz im Haus Arche (im vergangenen Jahr suchten dort zwölf Frauen mit 15 Kindern Schutz) bis zur psychosozialen Beratung.
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