Einbrecher erstaunt sein Opfer

Der einstige Tatort: Winfried Auers deutet auf jene Stelle, die beim Einbruch 2013 teilweise aus dem Rolltor herausgesägt oder geschnitten worden war: Durch diese Öffnung will der Täter damals 140 Reifen samt Felgen direkt in einen unmittelbar an der Halle abgestellten Transporter verladen haben - ohne jegliche Hilfe. Bilder: Hartl (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.05.2015
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Erst traute er seinen Augen nicht, Monate später meint er nun, dass auch das Gehör versagt hat: Winfried Auers, Inhaber des gleichnamigen Autohauses an der Europastraße, war im Herbst 2013 mit seiner Firma Opfer zweier schwerwiegender Einbrüche. Jetzt staunte er als Zeuge vor Gericht Bauklötze, als der Täter behauptete, er allein habe die Diebstahlsarbeiten verrichtet, für die man eher drei Mann braucht.

Wegen schweren Bandendiebstahls saß der Ungar mehrere Jahre in Österreich hinter Gittern. Der 32-Jährige gehörte (wie berichtet) zu einer 16-köpfigen kriminellen Vereinigung, die sich auf Reifen und Werkzeugmaschinen spezialisiert hatte. In Sulzbach-Rosenberg will der Ungar nach seiner Haftentlassung als Solist unterwegs gewesen sein. So zumindest schilderte er es der Strafkammer in Amberg - und löste damit Kopfschütteln bei Winfried Auers aus. Trotz der zwei Jahre und sieben Monate Haft, zu denen der Täter nun verurteilt wurde.

Loch geschnitten

Der Autohausbesitzer war als betroffener Zeuge geladen, um darzulegen, wie sich der Einbruch aus seiner Sicht zugetragen haben könnte. "Es war Montagfrüh, als ich beim Rundgang bemerkte, was hier passiert war." Auers stand damals fassungslos am rückwärtigen Teil einer seiner Werkstatthallen und sah, dass übers Wochenende in eines der unteren Segmente ein Loch geschnitten worden war. Und aus dem Inneren des Gebäudes fehlten rund 140 Reifen samt Felgen, größtenteils neuwertig und von Kunden bestellt. Der Wert lag zwischen 15 000 und 20 000 Euro.

Der Bestohlene schaltete Polizei und Versicherung ein, bekam den Schaden auch ersetzt. Dass man den oder die Einbrecher jemals ertappen würde, glaubte damals kaum jemand. Doch eines Tages sprach an der Europastraße eine Expertin des Bundeskriminalamtes vor und sicherte DNA-Spuren.

Mit deren Hilfe kamen die Fahnder dem Ungarn tatsächlich auf die Schliche. Alles anfängliche Leugnen half nichts, irgendwann räumte der Osteuropäer doch ein, an der Tat im Stadtteile Lohe beteiligt gewesen zu sein. Was die Ermittler beim Geständnis erstaunte, war die Einlassung des Festgenommenen, den Einbruch alleine begangen zu haben. Wenn er nun Komplizen nicht nennen wollte, hing das wohl damit zusammen, dass er fürchtete, bei einer Bestrafung wegen schweren Bandendiebstahls zu einer deutlich längeren Haftstrafe verurteilt zu werden als im Falle eines Einbruchs.

Bis auf zwei Zentimeter

"Er hat gewinselt, von seiner Frau und kleinen Kindern geredet", schilderte Auers, was die Dolmetscherin im Gerichtssaal übersetzt hatte. Der Ungar habe angegeben, alleine mit einem Mercedes Sprinter "bis auf zwei Zentimeter" ans Gebäude herangefahren zu sein und dann Reifen für Reifen durch die herausgeschnittene Öffnung ins Fahrzeug verladen zu haben: "Das kann mir niemand erzählen, dass einer alleine durch diese Öffnung 140 Reifen hinausschafft", war sich Auers auf Befragung unserer Zeitung sicher. Eher glaubt der Betroffene, dass mehrere Täter am Werk waren - entweder mit einem Lastwagen oder mit zwei oder drei Transportern: "Anders hätten sie die ganzen Reifen gar nicht weggebracht." Jeder der Pneus wiege samt Felgen etwa 15 Kilogramm.

Damit wäre der Mann mit seiner weit über zwei Tonnen wiegenden Beute mehrere Stunden beschäftigt gewesen, ist sich Auers sicher. Er geht davon aus, dass hier zwei bis drei Täter kräftig zugelangt haben - nachdem einer von ihnen durch die Öffnung nach innen gekrochen war und dort das elektrische Rolltor bedient hatte. Vorausgegangen war einige Wochen vorher der Aufbruch eines Reifencontainers, bei dem wohl ein und dieselben Täter Beute gemacht und die Örtlichkeit für einen neuerlichen "Besuch" genau unter die Lupe genommen hatten.

Zweimal zahlen

Eine Vorgehensweise, die heute wohl nicht mehr unbemerkt bliebe, denn auf Drängen der Versicherung holte sich Auers Rat bei der Amberger Kriminalpolizei und sichert nun seine Firma mit Alarmanlagen und Kameras ab. Eines freilich schmerzt den Inhaber trotzdem: "Wir zahlen doppelt, erst für die Reifen und dann für die immer höher werdende Versicherungssumme." (Angemerkt)
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