Einfach einmalig in Europa

Er hat viel Geschick und noch mehr Geduld: 24 Jahre brauchte Anton Grabinger vom OVC, bis er alle Teile für die Mojave zusammen hatte und ans Schrauben gehen konnte. Bilder: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
21.09.2015
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Ein beherzter Tritt auf den Kickstarter, dann noch einer und noch einer: Jetzt brummt es gewaltig, das Motorrad rollt zur Ausfahrt. Anton Grabinger sitzt auf einer amerikanischen Maschine, die es in Europa wohl nur einmal gibt. Deswegen ist sie auch in Fichtelbrunn zu sehen beim Oberpfälzer Veteranen-Club (OVC).

Wer sich in Süddeutschland mit alten Motorrädern beschäftigt, kommt am OVC nicht vorbei. Anton Grabinger hat den Verein vor 28 Jahren gemeinsam mit dem Vorsitzenden Walter Langhans gegründet, und seitdem fanden über 140 Mitglieder den Weg zu den Experten. Hunderte von Maschinen rollten schon in den Brauerei-Hof, auch am Wochenende riss die Kette nicht ab.

Seltenes D-Rad

Alte Gespanne, neuere Japaner, Vorkriegsgerät und Wirtschaftswunder-Maschinen sind immer dabei, und jedesmal gibt eine neue Marke zu entdecken. Was, bitte, ist ein "D-Rad"? Die Deutschen Industrie-Werke bauten von 1922 bis 1932 in Berlin-Spandau rund 60.000 Motorräder, 1933 kaufte die Auto-Union das Werk auf. Eine dieser Maschinen stand in Fichtelbrunn - Baujahr 1927, 500 Kubik, wohl das älteste Motorrad des Wochenendes. Zwei, drei 1928er anderer Marken fanden sich auch noch.

24 Jahre Suche

Doch zurück zu Anton Grabinger, dem gebürtigen Wackersdorfer: Der fanatische Motorradfreund baute sich ein amerikanisches Kaufhaus-Motorrad aus Einzelteilen zusammen, eine 360er Mojave River Side auf Benelli-Basis, 1968 angeboten in der US-Kaufhauskette Wards. Es gab damals nur 50 Stück davon, und Anton Grabinger brauchte geschlagene 24 Jahre, bis er endlich alle "Trümmer" beieinander hatte, bis zur kleinsten Feder im Motor.

Dann baute er die 357-Kubikzentimeter-Maschine zusammen, 27 PS nahmen ihre Arbeit auf, und Grabinger besitzt seitdem eine äußerst gesuchte und in Europa wohl einmalige Maschine. Die 50-Kilometer-Ausfahrt meisterte sie übrigens problemlos, sie ist, wie alle Grabinger-Maschinen, top in Schuss.

Fotos von Joachim Gebhardt.

Eine besondere Klasse sind auch die Zündapp-Gespannfahrer: Sie pflegen ihre KS 601, die "grünen Elefanten" aus den Fünfzigern, liebevoll und sind auch in einem Club organisiert. Die 600-Kubikzentimeter-Boxer präsentierten sich alle in ausgezeichnetem Zustand. Veteranenfahrer jeden Alters, bis zum unverwüstlichen 81-jährigen Erwin Rothmaier aus Pirk, tauschten Erfahrungen aus, bewunderten gegenseitig ihre Schätze und hatten enorm viel Spaß.

Reparatur- und Sanierungstipps waren heiß begehrt, aber die Veteranen-Freunde helfen sich untereinander immer gerne, egal ob Niederbayer oder Franke, ob Österreicher oder Baden-Württemberger. Und in der Oberpfalz gefällt es ihnen eben am besten. Das beweist der Erfolg des herbstlichen Treffens stets aus Neue.
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