Endstation Feldweg

Symbolbild: dpa
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.10.2015
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Sie gingen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach und dröhnten sich mit Alkohol zu. Dann brachen zwei Männer volltrunken zu einer motorisierten Spritztour auf. Auf einem Feldweg bei Schnaittenbach landete das Auto im Graben und überschlug sich. Es gab einen Schwerverletzten.

Der 22-Jährige wurde in Handschellen vor die Amtsrichterin Verena Bösl geführt. Neun Vorstrafen, momentan knapp zwei Jahre in Haft. "Wirklich nichts gelernt", resümierte Staatsanwalt Tobias Kinzler, als er die Anklageschrift vorgetragen hatte. Was Kinzler verlas, war ein abendliches Intermezzo der heftigen Sorte. "Es hätte für beide Beteiligten tödlich enden können", unterstrich der Anklagevertreter.

Heuer im April zechte der 22-jährige Familienvater zusammen mit anderen in einer Wohnung im nördlichen Landkreis. Als das Bier ausging, schnappte sich der junge Mann die Schlüssel zum Wagen seiner Ehefrau. Dann begann eine Beschaffungstour, die wegen stattlicher 1,72 Promille völlig aus dem Ruder lief. Der Arbeitslose brauste durch die Gegend und befand sich irgendwann mit dem Pkw auf einem Feldweg nahe Schnaittenbach. "Wie kamen Sie dorthin?", wollte der Staatsanwalt wissen. "Keine Ahnung", erhielt er zur Antwort.

Kumpel ins Krankenhaus

Das Auto geriet plötzlich außer Kontrolle des führerscheinlosen und betrunkenen 22-Jährigen. Es schleuderte in den Graben und überschlug sich. Der benebelte Fahrer entstieg unverletzt dem Wrack. Nicht so sein Kumpel, der neben ihm saß. Der 44-Jährige konnte sich zwar ebenfalls aus den Trümmern befreien. Allerdings mit erheblichen Verletzungen, die seine Einlieferung ins Amberger Klinikum notwendig machten. Als Zeuge vernommen, konnte sich der Mann jetzt nur noch sehr lückenhaft an den Crash erinnern.

Der Unfallfahrer gab alles zu und war damit gut beraten von Anwalt Jürgen Mühl. Das gereichte ihm zwar zum Vorteil. Doch die vom Staatsanwalt formulierten Vorwürfe waren massiv. "Sie sind Familienvater, besaufen sich, haben keinen Führerschein, verursachen einen schweren Unfall, kommen mit neun Vorstrafen und wissen offenbar nicht, was Sie aus Ihrem Leben machen sollen", rügte er und stellte in Aussicht: "Für Bewährung besteht keine Chance."

Der Anklagevertreter forderte ein Jahr zum Absitzen und sah sich dabei im Meinungsunterschied zu Verteidiger Jürgen Mühl. "Es kann mit einer Geldstrafe abgehen", empfahl er der Richterin und fügte hinzu, die bisherigen neun Vorahndungen seien nicht einschlägig gewesen. Sie setzten sich zusammen aus Sachbeschädigungen, Diebstahl und Körperverletzung.

Halbes Jahr Haft

Die Vorsitzende stellte sich an die Seite des Staatsanwalts. Allerdings reduzierte sie dessen Strafantrag auf sechs Monate ohne Bewährung. Dieses halbe Jahr muss der 22-Jährige nun zusätzlich hinter Gittern verbringen. Was er tun will, um von der schiefen Bahn zu kommen? "Arbeit suchen, für meine Familie sorgen, eine Alkohol-Entzugsmaßnahme absolvieren."
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