Er hält die Fahne Indiens hoch

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
14.09.2015
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Unten herrscht die Atmosphäre eines Oberpfälzer Pfarrhauses und oben brüllt der indische Tiger. Nein, nicht Dr. Joseph Madathiparampil ist gemeint. In seiner zurückhaltenden asiatischen Art würde er niemals brüllen. Aber er kommt eben aus Indien und ist in Amberg-Sulzbach heimisch geworden.

Klar, ein paar Reminiszenzen an das alte Heimatland müssen in seiner Wohnung im ersten Stock des Hohenkemnather Pfarrhauses schon sein. Da gibt es neben der indischen Flagge auf dem Fernseher und vielen Familienfotos im Wohnzimmer zum Beispiel auch den Tiger. Nicht in echt natürlich, sondern als kunstvoll gewebten Wandteppich.

Klassik statt Bollywood

Überhaupt weht der Geist indischer Kultur und Traditionen durch die Wohnung des Pfarrers. Die AZ empfängt er mit der für das Land typisch klingenden Musik von S.P. Balasubramaniam zum Gespräch. "Das ist Klassik", klärt der 78-Jährige den unkundigen Europäer auf, um vielleicht dem Eindruck von "Bollywood" vorzubeugen. Generell bedauert der katholische Geistliche, dass im deutschen Fernsehen meist nur diese schrill-schrägen Streifen zu sehen sind. Er bevorzugt gute indische Filme, die es natürlich ebenso gibt und die er sich gern im Internet anschaut.

Oft Kontakt mit der Familie

So viel Verbundenheit zur alten Heimat hat der Pfarrer selbst nach einem Vierteljahrhundert im Landkreis Amberg-Sulzbach noch immer. Auch mit seinen Geschwistern im südlichen Bundesstaat Kerala, wo die Kinder aufwuchsen und wo die Familie zum Teil bis heute lebt, telefoniert oder chattet er via Web wöchentlich. Das täte er aber auch, wenn die Verwandten irgendwo in Deutschland oder ganz in der Nähe wohnen würden. Prinzipiell findet der Pfarrer diesen Zusammenhalt "ganz normal".

Dass er zu sehr seiner alten Heimat nachhängen würde, kann man ihm nicht nachsagen. Im Gegenteil hat er die Oberpfalz längst zu seiner neuen Heimat gemacht. Das war vor immerhin 25 Jahren, als in Gebenbach ein neuer Leiter für die dortige Gemeinde gesucht wurde. Der bisherige Pfarrer war verstorben. Aufgrund des damals schon herrschenden Priestermangels stand kein Nachfolger Gewehr bei Fuß.

Anruf aus Lintach in Kerala

Das erfuhr Dr. Joseph Madathiparampil im fernen Kerala. Und zwar vom damaligen Lintacher Pfarrer Georg Thayil, der bereits aus Indien stammte und ein Kurskollege des heute 78-Jährigen war. Er weckte aufgrund seiner positiven Erfahrungen im Landkreis das Interesse des Freundes in Kerala, sich ebenfalls ins "Abenteuer Oberpfalz" zu stürzen.

Als solches darf man zumindest die Anfangszeit bezeichnen, denn Dr. Joseph war zunächst kaum des Deutschen mächtig und sagt selbst, dass es zu Beginn in Gebenbach "schwer war mit der Sprache". Er schränkt das aber ausdrücklich auf die verbale Verständigung ein. Die menschliche klappte vom Start weg bestens, was für seine komplette Schaffensperiode von immerhin 24 Jahren in Gebenbach und Umgebung gilt.

"Die Leute brauchen mich"

"Ich hatte von Anfang an das Gefühl, die Leute brauchen mich hier", wusste sich der Geistliche vom ersten Moment an angenommen. Abgesehen davon, dass das tatsächlich so war, spürte Joseph Madathiparampil aber auch die menschliche Wärme - gerade dem Fremden aus diesem fernen Land gegenüber. Das sollte bis zum Ruhestand des Pfarrers erst vor einem Jahr so bleiben. Seine Gemeinde und viele Freunde, die er hier gefunden hat, machten es ihm nach eigener Auskunft leicht, sich wohlzufühlen. So wurde Gebenbach 24 Jahre lang seine Heimat - trotz aller Verbindungen zu Indien, die er unterhält.

Aber auch in Hohenkemnath, wo der Seelsorger jetzt seit September 2014 lebt und wirkt, gefällt es ihm. Bewusst ist er dorthin gegangen, um selbst im Ruhestand die dortige Kirche und das Pfarrhaus beleben und betreiben zu können. Das macht er auch mit 78 Jahren noch gerne "so nebenher" und denkt keineswegs gänzlich ans Aufhören. Nach Indien will er erst "in ein paar Jahren" zurückkehren. Das liegt eben auch daran, dass unser Landkreis für ihn echt ein Zuhause geworden ist. Übrigens mit allen Drum und Dran. Selbstverständlich isst der gebürtige Inder gerne Schweinebraten mit Knödel. Nur nicht am Sonntag, wie man wohl gerade bei einem Pfarrer vermuten könnte. Das ist nämlich der Tag, an dem seine Haushälterin frei hat.

Sonntags kocht er indisch

Das nutzt "Dr. Joseph", wie er wegen seines für Oberpfälzer Zungen etwas schwer auszusprechenden Nachnamens verkürzt genannt wird, um sich selber zu kochen. Indisch natürlich, wie er sagt, um wenigstens einmal in der Woche zu Reis, Fisch und Gemüse nach originaler Zubereitung seines Heimatlandes zu kommen. Selbst ist der Mann. Und so ein Mann wie Joseph Madathiparampil ist ein gestandener Mann, sonst würde er nicht schon so lang fern seiner alten Heimat in der neuen Heimat Amberg-Sulzbach so gut zurechtkommen.
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