Erst schwitzen, dann sitzen

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.05.2015
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Er ist ein Gewohnheitsverbrecher. In mehreren Ländern ging der Ungar (32) mit einer kriminellen Vereinigung auf Einbruchstour und richtete immensen Schaden an. Jetzt kassierte er, nach Verurteilungen in seiner Heimat und in Österreich, auch in Amberg knapp drei Jahre Haft.

Die Justiz muss alles einwandfrei nachweisen können. Auch die Rollenverteilungen bei Einbrüchen. Da wird es besonders schwierig, wenn jemand steif und fest behauptet, er sei bei einem Coup allein gewesen, und es dennoch den Verdacht gibt, dass ein einzelner Mensch die Straftat niemals so hätte durchziehen können.

138 Reifen geschleppt

An einem Novemberwochenende des Jahres 2013 wurde in ein Sulzbach-Rosenberger Autohaus eingebrochen. Als später die Amberger Kripo kam, wurde deutlich: Es fehlten 122 Pkw-Reifen mit Felgen, 16 ohne Felgen, ein Schlagschrauber und vier einzelne Stahlfelgen. Die Beute hatte einen Wert von knapp 15 000 Euro. Die gesicherten Spuren führten viele Monate später zum Ziel. Denn ein vom Landeskriminalamt geprüfter DNA-Abdruck erwies sich als sogenannter Treffer: Der Mann stammte aus Ungarn und wurde festgenommen, als man ihn bei einer erneuten Einreise nach Deutschland kontrollierte.

Seither saß er in Haft, wurde jetzt vor die Erste Strafkammer des Landgerichts geführt und behauptete: "Ich bin das gewesen, war aber allein." Auf der Suche nach Altreifen ("Die gab es meistens kostenlos") will er auf einer Fahrt durch Bayern nach Sulzbach-Rosenberg gekommen sein und dort durch ein Fenster die Reifen in dem Autohaus gesehen haben. "War da wirklich niemand mit dabei?", wollte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber wissen. Der 32-Jährige verneinte und erzählte, wie mühselig es gewesen sei, die 138 Reifen durch eine von ihm gewaltsam hergestellte Türöffnung in einen Touren-Sprinter zu laden.

Der Besitzer des Unternehmens, als Zeuge gehört, verwies das in den Bereich der Fabel. Seine Meinung: Erstens hätte die Beute niemals in einen einzigen Kastenwagen gepasst und zweitens wären bei einer solchen Art der Verladung wohl Stunden vergangen. Also doch Mittäter und damit schwerer Bandendiebstahl? Der Ungar lächelte: "Ich war allein." Seltsam nur, dass mehrere Nächte zuvor auf dem gleichen Gelände Container aufgebrochen worden waren und dass es nach Erkenntnissen der Staatsanwältin Franziska Bücherl im fraglichen Zeitraum noch mehrere gleichgelagerte Diebstähle im Raum Amberg-Sulzbach gab.

Als die Richterin Roswitha Stöber in die Akten blickte, offenbarte sich: Der Mann aus Ungarn war über Jahre hinweg Mitglied einer 16-köpfigen kriminellen Vereinigung. Sie wurde in ihrem Heimatland tätig, startete auch in Österreich zu Reifendiebstählen. Zwischen Schladming und St. Pölten kamen bei rund zwei Dutzend Straftaten Reifen und Werkstattmaschinen im Wert von 217 000 Euro abhanden. Dafür brachte man den 32-Jährigen und seine Komplizen für etliche Jahre hinter Gitter.

Kaum entlassen, beging der Ungar den Einbruch in der Oberpfalz. Dass ihn Leute aus der straff organisierten Bande begleiteten, war nicht nachzuweisen. Er selbst nahm alles auf sich. Die in Sulzbach-Rosenberg gestohlenen Reifen wurden in Ungarn verhökert. Er will von einem Hehler in seinem Heimatort schlappe 3100 Euro erhalten haben. Den Nachnamen des Mannes wollte er nicht kennen.

Angeklagter bleibt dabei

Ungereimtheiten ohne Ende und ein Beschuldigter, der mit stoischer Ruhe bei seiner Version blieb. Staatsanwältin Franziska Bücherl nahm ihm zwar seine Angaben nicht ab. Doch das Gegenteil war unbeweisbar. Deswegen rückte sie vom Bandendiebstahl ab und beantragte wegen schweren Diebstahls drei Jahre und sieben Monate Haft. "Zwei Jahre genügen", unterstrich Verteidiger Michael Schüll und führte der Kammer vor Augen: "Er war ohne Begleitung auf der Suche nach Altreifen und hat dann den Einbruch begangen."

Das Gericht blieb ein Jahr unter dem Antrag der Anklagevertreterin und schickte den Ungarn für zwei Jahre und sieben Monate hinter Gitter. "Wir können nicht mehr nachweisen, als er hier eingeräumt hat", sagte Richterin Stöber. Ein Zähneknirschen wurde dabei fast hörbar.
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