Es kommt viel Energie zurück

Ohne künstlichen Sauerstoff und unter Verzicht auf die Hilfe von Hochträgern hat Gerlinde Kaltenbrunner alle Achttausender bestiegen. Am nächsten Samstag erzählt sie in der Krötenseeturnhalle von ihren Abenteuern in den Todeszonen der höchsten Berge der Welt. Bild: Dujmovits
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.11.2015
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Die Stimme am Telefon klingt eher ruhig und zurückhaltend. Doch am anderen Ende der Leitung spricht die beste Bergsteigerin der Welt. Gerlinde Kaltenbrunner (44) hat sie alle in der Tasche, die Achttausender. Im SRZ-Interview erzählt sie von ihrer Leidenschaft, die sie Berge wie den K 2 oder Nanga Parbat bezwingen lässt.

Die österreichische Spitzenbergsteigerin kommt am Samstag, 14. November, um 19 Uhr zu einem Vortrag in die Krötenseeturnhalle. Möglich gemacht hat den Besuch die DAV-Sektion Sulzbach-Rosenberg.

SRZ: Was weckte in Ihnen die Leidenschaft zum Höhenbergsteigen?

Gerlinde Kaltenbrunner: Angefangen habe ich mit normalen Bergwanderungen und Klettertouren in meiner Heimat. Doch seit ich 16 bin, zieht es mich zu den höchsten Bergen der Welt. Hier erwachte auch der Reiz zum Höhenbergsteigen.

Orientiert man sich da gleich an anderen bekannten Bergsteigern?

Eigentlich nicht, bis auf die Geschichten der Erstbesteiger wie Hermann Buhl. Für mich ist eher meine Großmutter ein Vorbild. Sie war zäh, ausdauernd und sehr genügsam

Woher nehmen Sie die Kraft, solche Leistungen zu vollbringen?

Eine bestmögliche Vorbereitung ist für das Höhenbergsteigen unerlässlich. Ich trainiere sehr vielseitig, fahre Mountainbike, mache hochalpine Touren, klettere und bewege mich im Eis. Außerdem achte ich stets auf eine ausgewogene Ernährung. Wichtig sind aber auch eine gute mentale und logistische Vorbereitung sowie viel Vorfreude als Motivation.

Sie haben alles erreicht, was man als gängige Ziele der Extrembergsteiger kennt. Welche Ziele haben Sie als nächstes vor Augen?

Das weiß ich noch nicht so genau, aber es gibt auch bei den Sechs- und Siebentausendern lohnende Ziele.

In Sulzbach-Rosenberg gibt es über die Nepal-Hilfe viele Kontakte zum Dach der Welt. Unterstützen Sie auch humanitäre Projekte?

Ja, ich bin in über die Nepal-Hilfe Beilngries engagiert. Es ist unglaublich wichtig, dass den armen und hilfsbedürftigen Menschen im Karakorum und Himalaya geholfen wird.

Stichwort Massentourismus auf den höchsten Bergen der Welt. Wie denken Sie darüber?

Bei der Müllsituation ist endlich durch Reinigungstrupps Besserung eingetreten. Ob allerdings sämtliche Bergsteiger, die zum Mount Everest wollen, bergtauglich sind, müssten die kommerziellen Veranstalter schon genau überprüfen.

Hat Ihnen Ihr erster Beruf "Krankenschwester" schon bei Ihren Touren geholfen?

Schon relativ häufig. Beim Bergsteigen kommt mir meine Ausbildung immer wieder zugute. Ich kann oft auch bei den langen Anstiegen anderen Teilnehmern helfen, oder erkenne Warnsignale des Körpers früher.

Sie klettern gerne! Auch in unserer Nähe gibt es ein kleines Kletterparadies in der Fränkischen Schweiz, Waren Sie hier schon einmal aktiv?

Nein, bisher noch nicht. Aber vielleicht bietet sich einmal die Gelegenheit, dass ich mich an diesen bekannten Felsen versuche. Mein Schwerpunkt ist aber eindeutig das Höhenbergsteigen.

Unsere DAV-Sektion hat mehr als 1500 Mitglieder. Was bedeuten Ihnen die Besuche an der Basis?

Sie bedeuten mir sehr viel. Ich bin gerne bei den Leuten, was mir immer wieder durch viele Zuschriften bestätigt wird. Hier kommt auch viel Energie zurück.

Der Kampf um den K 2 steht im Mittelpunkt Ihres Vortrags. Ist der Aufstieg zum Nanga Parbat nicht noch schwieriger?

Gut, es sind beide sehr anspruchsvolle Berge, aber der K 2 ist die größere Herausforderung, weil 400 Höhenmeter zusätzlich und mehr technische Schwierigkeiten in extremer Höhe zu meistern sind.
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