Etwas Balsam für die Wunden

Bei der Scheckübergabe, von links: Präsident des Rotary-Clubs Auerbach Dr. Michael Lehmann, Diplom-Sozialpädagoge und Leiter der Flüchtlingswohngruppe Jürgen Fischer, ENH-Leiter Stefan Reither, Vorstandsvorsitzender Hans Renner und Katja Fruth von der Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg. Bild: ksb
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.10.2014
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Eine Einkaufstüte mit Wechselkleidung war alles, was die jungen Männer als Gepäck hatten, als sie in Sulzbach-Rosenberg ankamen. Die Spende des Rotary Clubs Auerbach für die Flüchtlings-Wohngruppe im Ernst-Naegelsbach-Haus ist für die Jugendlichen Gold wert.

Seit Mitte August haben zehn junge Männer aus Somalia, Eritrea, Afghanistan, Nigeria, Syrien und dem Senegal im Ernst-Naegelsbach-Haus (ENH) ein Zuhause auf Zeit gefunden. Gefahr für Leib und Leben auf sich nehmend sind die 16- bis 17-Jährigen aus den heimatlichen Krisenregionen geflüchtet, um Krieg und Folter zu entgehen (wir berichteten).

Stark traumatisiert

Zusammen mit seinem Team versucht Heimleiter Stefan Reither nun den teilweise stark traumatisierten Flüchtlingen den Start in ein Leben mit Perspektive zu ermöglichen. Mit seinen aktuell 43 Mitgliedern unterstützt der Rotary Club Auerbach immer wieder Institutionen und soziale Projekte vor Ort. Auf die neue Flüchtlingswohngruppe im ENH aufmerksam geworden, kamen Präsident Dr. Michael Lehmann und Raiffeisenbank-Vorstandsvorsitzender Hans Renner in die Wichernstraße, um sich ein Bild zu machen.

Jürgen Fischer, der sich zusammen mit seinen Kollegen um die in Deutschland vorerst nur geduldeten Flüchtlinge kümmert, stand den beiden Rotariern Rede und Antwort. Nachdem der "erste Kulturschock" überwunden war, beginnen die jungen Männer sich nach und nach einzuleben, berichtet der Sozialpädagoge. Um bestehende Sprachbarrieren möglichst schnell abzubauen - denn Sprache ist nun einmal der Schlüssel zu Integration - besuchen die Heranwachsenden 20 Stunden in der Woche einen Deutsch-Kurs bei Kolping.

Dieser trage bereits erste Früchte; unter der Zuhilfenahme von Händen und Füßen, seien die Jugendlichen nun bereits in der Lage, grundsätzliche Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen, erklärt der 32-Jährige. Beim TuS Rosenberg können die Flüchtlinge an vier Nachmittagen zusammen mit anderen Jugendlichen ihre Geschicklichkeit im Umgang mit dem Fußball unter Beweis stellen.

"Dies hilft nicht nur, einen strukturierten Tagesablauf zu schaffen, sondern fördert auf eine non-verbale Art auch das Miteinander", betont Fischer. Selbst wenn die Jugendlichen bei gemeinsamen Aktivitäten nach außen recht unbeschwert wirken, sind die persönlichen Geschichten bewegend, teilweise erschütternd; dass das Erlebte Traumata hinterlassen hat, zeigt sich unter anderem dadurch, dass viele nur bei Licht und offenen Türen einschlafen können. Einige können nachts nur mit Hilfe von Medikamenten zur Ruhe finden. Um die wertvolle Arbeit, die im ENH im Zusammenhang mit den Flüchtlingen geleistet wird, zu unterstützen, überreichte Dr. Michael Lehmann im Namen des Rotary Clubs Auerbach Stefan Reither einen Scheck in Höhe von 1000 Euro.

Bälle und Flaschen

Der Heimleiter bedankte sich für die großzügige Spende, die es ihm ermögliche, schnell und vor allem unbürokratisch dringend Benötigtes, wie zweisprachige Wörterbücher, anzuschaffen. Neben Schreibmaterialien für den Deutsch-Kurs stiftete die Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg noch zehn WM-Bälle sowie Trinkflaschen für das Fußballtraining.
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