Existenzkampf hat begonnen

Hier am Hauptsitz in der Asamstraße und auch in der Dieselstraße produziert die Firma derzeit auf vollen Touren. Wie es weitergeht, ist allerdings ungewiss. Bild: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
24.04.2015
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Demonstration und Kundgebung - das klingt nach Konfrontation. So weit ist es aber noch nicht: Die Belegschaft von Hosen-Hiltl will lediglich darauf drängen, die Arbeitsplätze in der Herzogstadt zu erhalten. Denn die Firma wird jetzt verkauft, das hat die verstorbene Eigentümerin testamentarisch festgelegt

Sie wollen auf die Situation bei Hosen-Hiltl aufmerksam machen und für die Erhaltung des Standortes und der Arbeitsplätze eintreten - das betonen IG Metall und Betriebsratsvorsitzender in einer gemeinsamen Einladung: Am Donnerstag, 30. April, setzt sich um 17.15 Uhr ein Demonstrationszug von der Asamstraße in Bewegung hinauf zum Capitol, wo eine Kundgebung angesetzt ist.

Klarer Standpunkt

"Wir wollen Gerüchten entgegentreten und unseren Standpunkt klarlegen", meint Fachsekretärin Sabrina Feige von der IG Metall Amberg zu der Einladung. Betriebsratsvorsitzender Werner Sperber schildert der SRZ die aktuelle Lage: "Laut Testament muss die Firma verkauft werden. Wir wollen aber die Arbeitsplätze erhalten und ein Signal geben an mögliche Interessenten, die hier produzierte Qualität weiterzuführen!".

Verhindert werden soll, dass ein Konkurrent nur den Namen kauft und den Standort schlimmstenfalls ganz schließt - ein in der Bekleidungsbranche nicht unübliches Verhalten auf dem heiß umkämpften Markt. "Auch die Erben können noch Einfluss nehmen auf die endgültige Entscheidung", erinnert Werner Sperber.

Geschäftsführer Martin Merkl hat kein Problem mit der Aktion von IG Metall und Betriebsrat: "Ich sehe dem gelassen entgegen." Schließlich setze sich die Belegschaft für den Erhalt der Produktionsstätte in Sulzbach-Rosenberg ein. "Wir befinden uns derzeit mitten im Verkaufsprozess, es ist noch keine Entscheidung gefallen, deshalb kann ich auch keine weitere Stellungnahme dazu abgeben", meint der Manager, der seit 48 Jahren im Unternehmen tätig ist. Mit einem weiteren Geschäftsführer und Testamentsvollstrecker führt er die entscheidenden Gespräche.

Derzeit 108 Leute

Auch er will darauf hinarbeiten, dass ein Käufer die hiesige Qualitätsproduktion, die Repräsentanten und die Belegschaft übernimmt. Die seit 60 Jahre bestehende Firma Hosen-Hiltl - weltweit bekannt für qualitativ hochwertige Herrenhosen - hat als Mittelstandsunternehmen derzeit 108 Mitarbeiter in Sulzbach-Rosenberg beschäftigt.

"Wir zahlen über Tarif, es gibt Urlaubsgeld, wir haben ein sehr gutes Betriebsklima, die Belegschaft ist qualifiziert und motiviert", umreißt Merkl die aktuelle Situation. Auch sein Herz schlägt für die Firma, die zur Zeit voll produziert für die Herbst-Winter-Kollektion. Derzeit gilt also das Prinzip Hoffnung. Und die stirbt bekanntlich zuletzt.
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