Experten erläutern, was bei Gewaltereignissen an Schulen zu beachten ist
Im Ernstfall helfen die Profis

Sie sprachen zur Krisenintervention an Schulen (von links): Hanns Rammrath, Hans-Peter Klinger und Friederike Seitz. Bild: usc
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
07.05.2015
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Vor Krisen an Schulen mit tödlichem Ausgang - also Amokläufen - sind Amberg und der Landkreis bislang verschont geblieben. Aber man muss darauf gut vorbereitet sein. Aus diesem Grund organisierte das Schulamt eine Infoveranstaltung zum Thema "Krisenintervention an Schulen". Seit Amokläufe in den USA und in Deutschland die Öffentlichkeit erschütterten, muss es an allen Schulen Notfallpläne geben. Bereits 2002, nach den Ereignissen von Erfurt und Eching, wurde in Bayern KIBBS etabliert, das Kriseninterventions- und Bewältigungsteam bayerischer Schulpsychologinnen und Psychologen. Es hilft durch notfallpsychologische Versorgung bei Gewaltereignissen, aber auch bei Unfällen und Todesfällen im Umfeld von Schulen, etwa bei Suizid eines Schülers.

Psychologin Friederike Seitz, Beratungsrektorin am örtlichen Schulamt, und Studiendirektor Hanns Rammrath, Koordinator für die Oberpfalz und der Leiter der Schulberatungsstelle in Regensburg, erläuterten bei der Informationsveranstaltung im Landratsamt ihre Aufgaben.

Das Krisenteam kommt

Das Kultusministerium legte 2013 fest, dass jede Schule ein Sicherheitskonzept entwickeln und kontinuierlich aktualisieren muss. An jeder Schule wurde danach ein Krisenteam eingerichtet. Laut Friederike Seitz übernimmt KIBBS im Ernstfall die Hilfe beim Krisenmanagement der Schulen. Die Anforderung eines KIBBS-Teams erfolgt durch die Schulleitung. Bei einem sogenannten Großschadensereignis stellt der Landeskoordinator eine Einsatzgruppe zusammen.

KIBBS sorgt für die Beratung des schulischen Krisenteams, die notfallpsychologische Erstversorgung, in Einzelfällen auch die längerfristige Betreuung. Das Team bietet zudem die Beratung der Schulleitung und der Lehrer an. Bei einem sogenannten Schadensereignis hilft KIBBS der Schule bei der Elternarbeit, vermittelt bei Bedarf Behandlung und Nachsorge. Kommt es zu Gewaltdrohungen an Schulen, geben die Experten Hilfen zur Einschätzung der Gefährdung und zum Umgang damit.

Es geht auch nicht-staatlich

Seitz wies die Teilnehmer auf die Möglichkeit hin, Hilfe nicht-staatlicher Krisenhelfer an einer Schule in Anspruch zu nehmen, wobei KIBBS als staatliches Team bevorzugt anzusprechen sei. Für Schulen kommen insbesondere die kirchlichen Initiativen KiS (katholisch) und NOSIS (evangelisch) in Betracht, deren Vertreterinnen sich und ihre Beratungsangebote vorstellten. Die Entscheidung liegt bei der Schulleitung. Darüber hinaus wirken in der Region Amberg-Sulzbach acht Notfallseelsorger, fünf von ihnen an Schulen.

Als Ansprechpartner für die Schulen bot sich Hans-Peter Klinger, Leiter des Sachbereichs Einsatz bei der PI Amberg, an. Er organisiert für den Herbst in Amberg ein Pilotprojekt für schulische Krisenteams.
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