Familienmitglied mit vier Rädern

Der Oldie schaut noch gut aus, und Heinz Strobel ist auch stolz auf den zuverlässigen Wagen. Bilder: Gebhardt (3)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
28.09.2015
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Die Avant-Klappe verbirgt einen gewaltigen Kofferraum.

Er gehört ganz klar zur Familie. Schließlich hat er Eltern und Kindern 25 Jahre lang treue Dienste geleistet, unzählige Urlaubsreisen absolviert, Möbel und Bierbänke problemlos transportiert - und das alles ohne Pannen. Jetzt bekommt er das Gnadenbrot und ist unverkäuflich: Der Audi 100 Avant der Familie Strobel feiert Jubiläum. Grund genug für eine Würdigung.

Weit herumgekommen ist er schon, der wein- , pardon, cheyenne-rote Vierrädler: Wir haben ihn schon selbst vor 20 Jahren am Neusiedler See gesichtet, und in Sulzbach-Rosenberg dürften ihn auch viele kennen, den AS-DR 2. Heinz Strobel öffnet die Fahrertür, und das Innere sieht noch sehr gut aus. Ein Blick auf den (natürlich analogen) Tacho verrät: 279 300 Kilometer hat der Audi auf dem Buckel, und er ist noch lange nicht müde.

Wegen der Kinder entschieden sich Heinz und Anita Strobel im August 1990, einiges an Geld in ein sicheres Fahrzeug zu investieren - immerhin kostete der Audi 100 Avant damals rund 50 000 DM. Dass er sich so lange bewähren würde, ahnte aber noch niemand.

Dabei waren alle Voraussetzungen gegeben: ein unkaputtbarer 5-Zylinder-Benziner-Motor mit 2,3 Litern Hubraum, Zentralverriegelung, Fensterheber, Schiebedach, verzinkte Karosserie. Procon-Ten hieß die Vorläufer-Technik des Airbags damals. Das Modell war von Ferdinand Piech seinerzeit noch selbst konstruiert worden. Raus aus dem Schaufenster des Autohauses, rein in die junge Familie. Aber ohne Klimaanlage, "denn sonst werden die Kinder krank", so dachte man damals noch.

Und die Strobels hatte viel Freude an ihrem roten Schmuckstück. Urlaubsgepäck, sonstiges Zubehör, alles kein Problem - die Avant-Klappe auf, alles rein, Klappe zu. Ab in die Ferien. Italien, Schweiz, Österreich, aber auch Dänemark und Holland steuerte der DR 2 an. Am Maloja-Pass in der Schweiz verlor er mal eine Schneekette, die der italienische Automobilclub ihm mit angelegt hatte. Eng wurde es allerdings einmal im Serengeti-Park Hodenhagen in Niedersachsen: Dort besetzten die Affen das Auto und demolierten mangels Futter den Heckscheibenwischer. Das brachte den Strobels in der Werkstatt dann ungläubige Blicke ein nach der Schadensmeldung: "Den Wischer hat ein Affe abgerissen!"

Das alles fällt der Familie ein, wenn sie über ihr Auto erzählt. Keine großen Reparaturen, nur Verschleißteile. Einmal ein Verteiler, einmal haben die Kinder den Blinker kaputtgespielt. Keine Unfälle, nur leichte Kratzer. Immer noch die erste Kupplung, nur einmal ein neuer Auspuff.

Wie fährt es sich mit so einem Oldtimer? Heinz Strobel ist zufrieden. "Jetzt ist er zwar nur noch Lückenbüßer, aber wenn was Großes zu transportieren ist, dann mache ich seine Heckklappe auf." Und was sagen die Leute zu dem Automobil mit einem Vierteljahrhundert auf dem Buckel? "Zwei Fragen kommen immer: Hat der fünf Zylinder? Verkaufst du ihn?" Die Antworten sind immer gleich: Ja, nein. Der Audi ist unverkäuflich und bleibt in der Familie, solange ihn die Karosserie trägt. Bald ist er 30, und dann stiege sein Wert noch erheblich an. Doch Strobel winkt ab: "Er bleibt bei uns!"

Gebraucht und gepflegt

Die Papiere sind noch wie neu, auch die Betriebsanleitung. Und der Werkstatt-Reserveschlüssel, den es damals noch dazu gab beim Kauf, liegt unbenutzt in seiner Karte. Es gab ja wenig zu reparieren. Das Nichtraucher-Auto ist natürlich gebraucht, aber trotzdem gepflegt. Und wie er da vor seiner Garage steht, wirkt er einfach vertrauenerweckend. Ob so etwas heute noch gebaut wird?
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