Flucht, Knast, Hoffnung

Waqar Haider, Diplom-Sozialwirtin Birgit Mair und Direktor Wolfgang Pfeifer (von links) ermöglichten einen Einblick für die Zehntklässler der Realschule, was Menschen auf der Flucht vor Terror erleben. Bild: lhc
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.10.2015
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Fliehen vor dem Terror: Waqar Haider berichtete auf Einladung der Walter-Höllerer-Realschule vor 120 Schülern von seiner Flucht aus Pakistan. Was die jungen Leute hörten, war fesselnd wie ein Krimi und weckte tiefe Emotionen.

Der aus Pakistan stammende Flüchtling Waqar Haider erzählte mit leiser Stimme seine Geschichte. In seinem Heimatland arbeitete er bis 2010 als Grundschullehrer. Nachdem es immer wieder zu Terroranschlägen auf Einrichtungen der schiitischen Minderheit, der er angehörte, kam, nahm seine Angst zu, dass die dortigen radikalen Salafisten auch ihn töten würden. Im Jahr 2011 floh er deshalb aus Pakistan und gelangte über den Iran, die Türkei und Griechenland nach Ungarn. In Ungarn wurde er als illegaler Flüchtling aufgegriffen und ein halbes Jahr lang ins Gefängnis gesperrt.

Kirchenasyl gewährt

Nach der Entlassung wollte er nach Schweden weiterreisen, wurde in Deutschland festgehalten und sollte nach dem Dublin-Abkommen nach Ungarn zurückgeschickt werden. Dorthin wollte er wegen des Gefängnisaufenthaltes auf keinen Fall mehr. Eine couragierte Kirchengemeinde in Nürnberg gewährte ihm nun Kirchenasyl. In einer kleinen Wohnung neben dem Friedhof lebte er zurückgezogen, bis die Frist für die Abschiebung abgelaufen war und er in Deutschland einen Asylantrag stellen konnte. In der Zwischenzeit hatte er Deutschkurse besucht und Praktika absolviert. In der Gegenwart hofft er, bald als Reinigungskraft in einer Klinik arbeiten zu dürfen. Die jeweils um sechs Monate verlängerte Kettenduldung stellt hierfür jedoch ein echtes Hindernis dar. Seine größte Hoffnung ist, dass das Warten bald ein Ende hat, dass er als Flüchtling anerkannt wird und endlich sein Leben planen kann. Für die Zukunft hofft er, dass er seinen Abschluss in Deutschland noch einmal bestätigen kann, um irgendwann wieder als Lehrer arbeiten zu können.

Skypen mit der Mutter

Auf die Frage eines Schülers, wie er es mit dem Kopftuch halte, antwortete der 26-jährige Muslim: "Frauen können selbst entscheiden, ob sie eines tragen möchten oder nicht. Meine Freundin jedenfalls braucht kein Kopftuch tragen." Eine andere Schülerin wollte wissen, ob er Kontakt zur Familie habe. Ja, er skype wöchentlich aus einem Internetcafé mit seiner Mutter, antwortete Haider.
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