Flüchtlingen etwas zurückgeben

Neujahrsempfang Amberg Sul
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
18.01.2015
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Unüberhörbar das offizielle Ende: Ohrenbetäubend hallten die Salven der Kurfürstlichen Böllerschützen vom Rosengarten aus über die Vils hinweg: der offizielle Schlussakkord zum Neujahrsempfang, zu dem der Landkreis am Freitag in den König-Ruprecht-Saal rund 400 Gäste eingeladen hatte. Die gaben sich angesichts des zuvor drinnen Gesagten ein wenig nachdenklich, aber auch gelöst.

Spitzbübisch, wie er sich gerne gibt, machte Richard Reisinger zur Begrüßung deutlich, dass sein Publikum an diesem Abend wegen der Festrede von ihm "nichts Schlimmeres zu befürchten" habe. Schließlich habe er diesen Part gerne an Regierungspräsident Axel Bartelt abgetreten und dieser sei "widerstandslos dazu bereit" gewesen. So blieb es dem Gast aus Regensburg vorbehalten - umrahmt vom Stiberfähnlein aus Sulzbach, der Kurfürstlichen Schlosswache und dem musikalischen Duo Ludmila Portnova und Vadim Vasilkov - das Hauptreferat zu halten.

Breiten Raum widmete der Regierungspräsident dem aktuellen Flüchtlingsthema, als er sagte: "Wir können alle ein wenig etwas zurückgeben, weil wir 70 Jahre in Frieden und Freiheit leben durften." Er bezog dies auf die Nachkriegsjahre, in denen viele, die heute in der Oberpfalz und darüber hinaus als Zufluchtssuchende gestrandet waren, eine neue Heimat fanden. Auch seine aus dem Sudetenland stammende Mutter habe diesem Menschenstrom angehört.

Bartelt lobte die heutige dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Amberg-Sulzbach. Zugleich verdeutlichte er, dass uns die gesamte Problematik noch lange begleiten werde. Vor diesem Hintergrund gab sich der Sprecher unter dem Beifall der Anwesenden erfreut, "dass wir hier in der Oberpfalz keine solchen Bürgerbewegungen haben wie in Dresden". Für die bisher gezeigte Hilfsbereitschaft der Bevölkerung hatte Bartelt großes Lob und viel Anerkennung parat.

Der Regierungspräsident gab sich aber auch angetan von der "herrlichen Landschaft", von der er seit seinem Amtsantritt am 1. Februar 2014 schon so viel gesehen habe und den Vorzügen der hier ansässigen Bevölkerung. Mit einem Seitenhieb auf die teils arg in die Kritik geratene Fernsehreihe des Bayerischen Rundfunks über die "Schöne Oberpfalz" meinte er gar: "Die Oberpfalz hat alle Voraussetzungen, dass man hier einen wunderschönen Film über Land und Leute drehen könnte. Dann müsste man sich in München aber von vielen längst überholten Klischees lösen - und einen Oberpfälzer als Regisseur wählen."

Sprachs's, und kam sehr rasch zum Ende, versehen mit der Aufforderung, dass die Oberpfälzer durchaus stolz auf sich und ihre Heimat sein dürften. Auch er selbst sehe den Regierungsbezirk keineswegs als ein Anhängsel der Metropolregionen Nürnberg oder München.

Danach diskutierten die Besucher über das, was sie zuvor gehört hatten, freuten sich über die kulinarischen Schmankerln und fanden noch viel Zeit zum Gedankenaustausch im Foyer - egal, ob stehend oder an den Biergarnituren sitzend.

Unter den rund 400 Gästen befanden sich sechs Flüchtlinge aus Syrien und Äthiopien. Diese wurden stellvertretend für die mehr als 380 Asylbewerber im Landkreis von Landrat Richard Reisinger in den König-Ruprecht-Saal eingeladen. Solidarität mit Flüchtlingen war das zentrale Thema an diesem Abend.
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