Flut von Führungszeugnissen

Jugendpflegerin Claudia Mai mit einem Teil der Unterlagen, die sich in Sachen "erweitertes Führungszeugnis" ansammeln. Der Landkreis hatte Anfang des Jahres 1800 Vereine angeschrieben. Bild: upl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
04.12.2014
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Vom Männergesangsverein bis zum Schachclub: Claudia Mai hatte im vergangenen Jahr mit fast allen 1800 Vereinen im Landkreis zu tun. Die Jugendpflegerin verwaltet die Vereinbarungen, die die Vereine zum Schutz ihrer jugendlichen Mitglieder mit dem Landkreis schließen.

Das Stichwort "erweitertes Führungszeugnis" elektrisierte 2013 die Vereinsvorstände landauf, landab. Ein bundesweit gültiges Gesetz schreibt vor, dass alle Ehrenamtlichen, die sich in der Jugendarbeit engagieren, ihre Unbescholtenheit in einschlägigen Paragrafen nachweisen müssen - für den Gesetzgeber ein weiterer Schritt bei seinem Bemühen, Pädophile von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten. Den kommunalen Jugendämtern und den Vereinen bereitete die Regelung jedoch jede Menge zusätzlicher Arbeit.

80 Prozent Rücklauf

Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat alle 1800 Vereine zwischen Auerbach und Schmidmühlen angeschrieben - egal, ob Fußballclub oder Briefmarkensammler. "Wir wollten vermeiden, dass jemand durch das Raster fällt. Es kann ja auch sein, dass zum Beispiel die Briefmarkenfreunde ein Ferienprogramm anbieten." Zum Jahresanfang gingen die Briefe an die Vorsitzenden raus. Mittlerweile haben sich etwa 1500 oder 80 Prozent zurückgemeldet. "Viele Vereine haben mitgeteilt, dass sie grundsätzlich keine Jugendarbeit betreiben", berichtet Mai. "Es haben sich aber auch viele beteiligt, die nur wenig und kurzzeitig mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Die Kooperationsbereitschaft war jedenfalls sehr groß". Danach hatte es zunächst gar nicht ausgesehen. Als die gesetzlichen Vorgaben bekannt wurden, sahen viele Vereinsvorsitzende ein Bürokratie-Monster auf sich zukommen. "In der Praxis verlief das Ganze dann doch einfacher als gedacht." Das Prozedere: Der Vereinsvorsitzende unterschreibt eine Vereinbarung mit dem Landkreis, dass er sich regelmäßig der Unbescholtenheit seiner Mitarbeiter in den Jugendsparten versichert. Dazu beantragen die Vereinsmitglieder, die mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt kommen, über die Gemeinde ein erweitertes Führungszeugnis. Der Vereinsvorsitzende nimmt Einsicht und fertigt darüber eine Aktennotiz an. Fertig. Dieser Vorgang wiederholt sich alle fünf Jahre.

"Wir haben bisher keine Rückmeldung, dass das irgendjemanden von der ehrenamtlichen Arbeit abgehalten hat", bilanziert Mai. Zusammen mit Kollegin Angelika Meyer hakt sie in den nächsten Wochen bei den rund 300 Vereinen nach, die sich bisher noch nicht gemeldet oder unvollständige Unterlagen eingereicht haben. Am 15. Januar ist zu dem Thema noch einmal ein Info-Abend im Poppenrichter Rathaus geplant.
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