Frühlingsgefühle geweckt

Uwe Stein, Viktoria Dechant, Tatjana Hubert und Andreas Fischer (von links) zeigten, wie viel Spaß es machen kann, wenn die gewohnten Grenzen der Instrumente und Musikstile überschritten werden. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.03.2015
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Die Lehrer der Städtischen Sing- und Musikschule (SMS) sind erfolgreiche Pädagogen. Das zeigt sich alljährlich in den hervorragenden Ergebnissen, die ihre Schüler bei "Jugend musiziert" erzielen. Dass sie auch großartige Künstler sind, bewiesen sie bei ihrem Konzert im Rathaussaal.

Fast alle Lehrer der SMS gaben als Solist oder in kleinen Ensembles eine Kostprobe ihres Könnens. So war das Konzert nicht nur ein wunderbar vielfältiger Ohrenschmaus, sondern zugleich eine spannende Musikstunde. Denn das Programm führte durch die Musikgeschichte vom Barock bis zur Gegenwart, von Deutschland über Frankreich und Spanien bis nach Argentinien. Die Musiker erläuterten mit Sachkenntnis und oft auch Humor die Werke, die sie spielten.

Nach Kastilien

Ein Querflötentrio mit Klavierbegleitung eröffnete den Abend und entführte das Publikum mit Leroy Ostranskys "Spanish Rondo" in die sonnendurchglühten Landschaften Kastiliens. Streicher, Gitarren und Gesang gaben einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Musik und der SMS. Um 1730/40 war die Blockflöte in London in der Oberschicht sehr in Mode. Damals entstanden virtuose Sonaten für dieses Instrument, die in Büchlein mit acht oder zehn Stücken gedruckt wurden. Eine solche Sammlung kostete so viel wie heute ein Kleinwagen! Reizvoll war ein Trio mit Blockflöte, Cembalo und Kontrabass, das eine Sonate von Francesco Barsanti spielte.

Meist missverstanden

Die Blockflöte stand als Star in der Mitte. Flötist Michael Kämmle brachte das Instrument zum Leuchten, Funkeln, Strahlen und Jauchzen - eine Rolle, die man der meist als Anfängerinstrument missverstandenen Blockflöte nicht zutraut. Cembalo und Bass beschränkten sich auf die dienende Rolle als Begleitung und brachten die Flöte zur Geltung.

Ausdrucksstark und klangschön interpretierte ein Fagott-Duo Christian Ludwig Dietters "Konzert für zwei Fagotte und Orchester", wobei aber das Orchester hier durch das Klavier ersetzt wurde. Es war eine schöne Gelegenheit, das Instrument solistisch wahrzunehmen. In der "Romanze" schwelgten die beiden Bläser in innigem Dialog. Der dunkle, warme Klang der Fagotte vereinte sich zu zärtlichem Zusammenklang. Spritzig und bewegt war dann das "Rondo allegro", das die beiden Bläser mit enormem Lungenvolumen munter und leichtfüßig interpretierten.

Ein Klavierduo mit George Bizets verspielten "Jeux d'enfants" versetzte die Zuhörer in heitere, nostalgische Stimmung. Man hörte die Schaukel schwingen, den Kreisel trudeln und den Ball springen. Es war zauberhaft.

Akkordeon, zwei Gitarren und Cello sind eine ungewöhnliche Besetzung. Dieses Quartett zeigte mit Stücken von Astor Piazzolla bis hin zum Blues, wie viel Spaß es Spielern und Zuhörern machen kann, wenn die gewohnten Grenzen überschritten werden. Hier verband sich künstlerische Tiefe mit der Offenheit, sich mit den verschiedensten Spielarten der Musik zu beschäftigen. Bei "Sweet Home Chicago" klatschte das Publikum, sang mit, jubelte. Auch die Cellistin Tatjana Hubert hatte sichtlich Freude an diesem Stück, obwohl sie noch nie vorher in ihrem Leben Blues gespielt hatte!

Auf den Balkan

Balkanisch-orientalischen Jazz bot Pedro Iturraldes "Suite Hellenique" für Saxofon und Klavier, während die Sängerin Regina Brandhuber mit fröhlichen Nonsenstexten zu Johann Strauss' Walzern Frühlingsgefühle weckte. Auch ihr Popsong "Sommertag mit Regen" gefiel den Zuhörern.

Ein ganz besonderer Höhepunkt war das szenisch gestaltete Duett von Robin Hood (Sandro Augustin) und Lady Marian (Sylvia Schulz). Die beiden Handpuppen, die in der Musikalischen Früherziehung den Kindern die Welt der Musik nahebringen, versicherten sich ihre ewige Liebe und Treue. Hinreißend! Das Publikum war begeistert und dankte mit kräftigem Applaus.
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