Fußball als Tor zum Herzen

Eine Menge Besucher kamen zum Treffen der Initiative ins Capitol. Viele boten auch gleich ihre Mitarbeit an. Bild: bmr
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.08.2015
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"Den Flüchtlingen zu helfen ist für mich kein Engagement, das ist einfach unsere menschliche Pflicht". So fasst Hans Lauterbach seinen Standpunkt zur Arbeit von "Sulzbach-Rosenberg hilft!" zusammen. Er organisierte am Dienstag Freiwillige, um den neu angekommenen Flüchtlingen in der Realschulturnhalle zu helfen.

Auf Einladung von "Sulzbach-Rosenberg hilft!" kamen über 100 Interessierte ins Capitol, um für die nächsten Monate Flüchtlingshilfe sicherzustellen, während der Notfallplan in Kraft ist. "Sulzbach-Rosenberg hilft!" ist ein Zusammenschluss, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den ankommenden Flüchtlingen zu helfen. Zur Zeit wohnen in der Realschulhalle 49 Flüchtlinge, davon 20 Kinder.

Gute Zusammenarbeit

Die Flüchtlinge dort unterzubringen, entspreche nicht der gängigen Praxis des Landkreises, der bemüht sei, Wohnungen oder Häuser zu finden. "Wir haben die Turnhalle so unterteilt, dass maximal neun Personen in einem Bereich sind. Das ist zwar nicht optimal, aber besser, als wenn 49 Menschen in einem großen Raum leben müssen", erläuterte Bernd Markl vom Roten Kreuz. Um die Organisation von Kleiderspenden und die Verteilung kümmert sich der ökumenische Kleiderladen.

Mehr Helfer gesucht

Die Turnhalle ist für insgesamt 180 Personen ausgelegt. Noch ist zwar ungewiss, ob so viele in der Turnhalle schlafen werden müssen. Trotzdem ist sich Lauterbach sicher: "Wir brauchen so viele Helfer wie möglich, um die Unterbringung so menschlich wie möglich zu machen." Das heißt für Lauterbach, die Flüchtlinge nicht nur zu verwahren, sondern sie aktiv in die Gemeinschaft einzubinden.

Deshalb plant "Sulzbach-Rosenberg hilft!" eine Reihe von Aktivitäten, um den Flüchtlingen die Ankunft leichter zu machen. "Eine erste Maßnahme sind Orientierungsgänge", führt Lauterbach aus. "Das sind einfach Spaziergänge, um den Flüchtlingen zu zeigen, wo Ärzte, Apotheken und Supermärkte sind." Um die Sprachbarriere in Deutschland überwinden zu können, sind Sprachkurse ein Schwerpunkt von "Sulzbach-Rosenberg hilft!".

Diese werden teils von pensionierten Lehrern gemacht, teils von ehrenamtlichen Laien. "Wir sind keine Profis, sondern einfach ins kalte Wasser gesprungen", meint Conny Schleich, die ehrenamtlich Deutschkurse gibt. "Es ist so schön zu sehen, wie schnell die Flüchtlinge das alles aufnehmen." Lauterbach hob auch hervor, dass die Deutschkurse für die erwachsenen Flüchtlinge eine intellektuelle Abwechslung vom Leben in der Turnhalle seien.

Ruheräume in der Kirche

Für Abwechslung sollen auch sportliche Aktivitäten sorgen: Von den Flüchtlingen spielen viele Fußball bei verschiedenen Vereinen. "Wenn der FC Großalbershof so weitermacht, hat er bald vier Mannschaften", meinte Lauterbach scherzhaft.

Die Vereine wollen einstweilen direkt an der Halle, auf dem alten TV-Sportplatz, Fußball anbieten. Auch ein Basketballkorb steht, und während des Treffens wurden die Möglichkeiten geschaffen, am Deutschen Sportabzeichen teilzunehmen oder Schwimmen zu gehen.

Um dem lauten Leben in der Turnhalle zu entgehen, richtet die Gemeinde der Christuskirche Ruhe- und Entspannungsräume ein, in der Hängematte sollen Kicker- und Billardturniere veranstaltet werden. Dort könnte auch ein Internetcafé geschaffen werden. Zur Zeit gibt es in der Turnhalle kein Internet. So sind Smartphones die einzige Möglichkeit für die Flüchtlinge, mit Verwandten zu kommunizieren, online Sprachkurse zu machen oder in der unvertrauten Umgebung zu navigieren.

Kontakt ist möglich

Um die Betreuung der 20 Kinder kümmert sich unter anderem Claudia Mai vom Spielebus Maxl. Die Möglichkeit, in Kontakt mit Flüchtlingen zu treten, besteht schon länger: Jeden dritten Sonntag im Monat kann man sich zu Kaffee und Kuchen mit Flüchtlingen bei der Wilden 8 in Hackern treffen. (Zum Thema)
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