Futter für Geist und Körper

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.09.2015
1
0

Kenternde Flüchtlingsboote im Mittelmeer, erstickte Menschen in einem Lkw, überwältigende Hilfe Ehrenamtlicher, aber auch rassistische Hetze - Europa befindet sich am Scheideweg. Das Evangelische Bildungswerk in Amberg ist entschlossen, einen Beitrag zu leisten, mit den aktuellen Herausforderungen verantwortlich umzugehen.

Gleichzeitig - rechtspopulistische und rechtsradikale Propaganda erinnert daran - muss es immer auch darum gehen, sich den Abgründen unserer Geschichte zu stellen. Beides gehört zusammen. Im neuen Herbst- und Winterprogramm des Evangelischen Bildungswerks (EBW) werden auch solche Perspektiven verfolgt. Im Folgenden einige ausgewählte Beispiele.

Luther und die Juden

"So müssen wir sie wie die tollen Hunde ausjagen" - unter diesem Titel, ein Originalzitat Luthers, geht die Kennerin Barbara Eberhardt aus Regensburg dem heiklen Zusammenhang "Luther und die Juden" nach (Donnerstag, 8. Oktober). Beispielhaft nimmt sich demgegenüber ein Projekt von Schülern des Max-Reger-Gymnasiums aus, in dem auf verschiedenen Weisen das Thema "Antisemitismus am Beispiel der Schicksale einiger Amberger Juden" aufgegriffen wird, symbolträchtig am Montag, 9. November, in der Amberger Synagoge. Gleichfalls der Konfrontation mit der deutschen Vergangenheit widmet sich eine Fahrt nach Flossenbürg. Nach der Neugestaltung des Geländes eröffnen sich erhellende Einsichten ganz neu (Samstag, 31. Oktober, Abfahrt aus Schwandorf). Am Montag, 19. Oktober, erläutert Axel Töllner die Entstehung des jüdischen Talmud und seine Bedeutung für das Judentum heute in der ehemaligen Synagoge in Sulzbach-Rosenberg.

Ein hochkarätiger Beitrag, getragen von kirchlichen Bildungswerken und örtlichen Volkshochschulen, findet am Donnerstag, 24. September, im Kubus Ursensollen statt. "Was euch gehört" - so lautet das Schauspiel des Nobelpreisträgers Roald Hoffmann. Auf die bedrückende Gegenwart des Flüchtlingsdramas blickt dagegen die Versammlung der Religionen in Amberg, die unter dem Motto steht: "Die Leidenschaft Gottes ist der lebendige Mensch" (Mittwoch, 21. Oktober).

Einen ganz anderen Zugang zu gemeinsamem Zusammenleben nimmt das noch junge Inklusionsprojekt Wundernetz. In Kooperation mit einer ganzen Reihe von lokalen Bildungsträgern suchen Menschen mit und ohne Behinderung nach Wegen, gemeinsam Hindernisse aus dem Weg zu räumen. So plant das Wundernetz am Freitag, 25. September, auf dem Amberger Marktplatz einen Aktionstag, bei dem es um Fragen geht wie: Wie fühlt es sich an, im Rolli durch die Stadt zu fahren?

In eher akademischer Manier läuft ein von Karl Kirch moderierter philosophischer Gesprächskreis (Einführung am Donnerstag, 15. Oktober), der sich diesmal das Generalthema "Dimensionen des Menschseins. Körper - Geist - Seele - Bewusstsein" vorgenommen hat. In eher lockerer Form geschieht dies in einem Tauf- und Informationskurs für Erwachsene, den Pfarrer Roland Böhmländer im Andreas-Hügel-Haus anbietet ("Glauben neu entdecken"). Der Kurs ist offen für alle, die am Austausch über Grundfragen des Glaubens interessiert sind. Bei einem ersten Treffen am Montag, 28. September, werden Details wie die Termine abgesprochen.

Persönliche Lebenshilfe

Fester Bestandteil des EBW-Angebots sind aber immer auch Elemente persönlicher Lebenshilfe. Diese reichen von einer Einführung in die Meditation ("Der Weg nach Innen", Mittwoch, 9. November, in der Erlöserkirche) über einen von Hans Bauer geleiteten meditativen Spaziergang für Trauernde am Mittwoch, 23. September, bis hin zu Erfahrungen und Visionen des ehemaligen Bürgermeisters von Bremen, Henning Scherf. Er spricht über Lebensfreude und Hoffnungsperspektiven im Alter unter dem bezeichnenden Titel "Wer nach vorne schaut, bleibt länger jung" (Mittwoch, 11. November).

Umfangreich, vielseitig und bunt wie immer ist der Bereich Handwerk und Kunstwerk. Von Möbelbau, Schreinern für Frauen, bis hin zur eigenen Gestaltung eines Kinderbuches sind Fantasie und Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Und wer bei der Bildung gern die Beine, ja den ganzen Körper mit einbezieht, kann sich etwa am Samstag, 20. September, Stephanie Wyrobisch auf einer ökumenischen Radltour auf dem neuen Simultanradweg im Westen des Landkreises anvertrauen. Einigermaßen tanzerfahrene Frauen dürfen sich der von Dagmar Born-Thieringer geleiteten Reihe "Tanzen kann Kreise ziehen. Kreis- und Reigentänze verschiedener Völker und Zeiten" anschließen.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.