Gänsehaut und Gassenhauer

Mit einem fast zärtlichen "Nocturne" verabschiedete die Band - nach drei Zugaben - die Zuschauer in die Nacht. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.11.2014
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Harten Rock aber auch sanfte Melodien, dazu kluge, oft humorvolle Texte: Das bot das Konzert "Laut und zart" von Peter Seidl und Band im Seidel-Saal.

Alle Tische waren besetzt. Die Besucher genossen Rotwein oder Bier und lauschten in entspannter Clubatmosphäre den vier Musikern auf der Bühne. Die Lieder, fast alle aus Seidls Feder, behandelten die ewigen, ur-menschlichen Themen Liebe und Tod. Die sehr persönlichen Texte waren überwiegend biographisch und zu einem Gutteil in Mundart gehalten. Statt einer Eintrittskarte gab es ein Textheft, so dass man mitlesen und später nachlesen konnte. Da ging es um Seidls Großvater, seinen Sohn oder das Häuschen, in dem er in München wohnte. Immer stand Seidl als Pianist und Leadsänger im Vordergrund; die Band schenkte den Liedern Überzeugungskraft.

Steffen Webers zauberhaftes Flötenspiel machte "Das Lied von den drei Seilen" zu einer wunderschönen Liebeserklärung, Stefan Donhausers nostalgische Gitarre ließen "Die Träume der Jugend" zu einer Zeitreise werden, "Canary Kamikaze" lebte von Heinz Beiersdörfers kraftvollem Bass. Wohldosiert setzte Peter Mauritz das Schlagzeug ein. Martialisch war vor allem seine Snaredrum bei "Mei Opa" und illustrierte, wie ein Mensch von Mächten zerrieben wird, die er nicht verstehen und schon gar nicht beherrschen kann.

"Lied vom Druck"

Die Band überzeugte auch als Chor im Hintergrund. Besonders gut wirkte sie in "Der Spinnerich", einer Welturaufführung. Der vierstimmige Gesang im dominant-dissonantem Sopran gab die Tragik des Spinnenschicksals angemessen wieder. Begeistert sang das Publikum beim "Lied vom Druck" mit, einer Hymne an die Schwarze Kunst, an J.E. von Seidel und an den Seidelsaal, der sich als idealer Ort für Konzerte dieser Art etabliert hat. Romantik und zarte Erotik prägten "Komm her zu mir". Bei diesem Liebeslied hätte man ein Feuerzeug schwenken mögen.

Mit kräftigem Applaus und lauten Rufen forderte das Publikum eine Zugabe und wurde gleich mit drei weiteren Liedern verwöhnt. Zuerst gab es eine Überraschung. Beiersdörfer verwandelte sich in Joe Cocker und röhrte mit rauer Stimme und ungezügelter Energie "Unchain My Heart". Viele Zuhörer hatten eine Gänsehaut.
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